Sicherheitsrisiko: Kaum Datenschutz beim Abhören von Skype-Telefonaten

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Im vergangenen Sommer sorgte der Umgang der großen IT-Anbieter mit Sprachaufnahmen ihrer Kunden für Empörung. Damals war bekannt geworden, dass die Sprachassistenten von Google, Amazon und Apple Soundbites speicherten und von menschlichen Mitarbeitern auswerten ließen. Nach einem aktuellen Medienbericht verfährt Microsoft mit Skype-Telefonaten immer noch auf diese Weise. Und verletzt dabei sogar einfachste Datenschutz-Grundsätze.

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Fremde Telefonate im Wohnzimmer überprüft

Die neuen Erkenntnisse stammen von einem britischen Staatsbürger, der in Peking englische Sprachaufnahmen für Microsoft ausgewertet hat. Innerhalb von zwei Jahren lud er angeblich Tausende Ton-Dateien herunter. Und das nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch auf seinem persönlichen Laptop im privaten Home-Office. Dem britischen Guardian erklärte der Whistleblower, dass schon beim Anwerben von Mitarbeitern keinerlei Sicherheitsaspekte beachtet würden. Das Einzige, wonach man ihn bei der Einstellung gefragt habe, sei seine Bankverbindung gewesen.

Zugangsdaten in Klartext gemailt

Um auf die privaten Gespräche der Skype-User zugreifen zu können, gingen die Auftragnehmer einfach ins chinesische Internet und nutzten eine App im Chrome-Browser. Vorher musste jeder Prüfer eigens einen neuen Microsoft-Account anlegen. Dabei wurde der Nutzername nach einem festgelegten Schema erstellt. Außerdem mussten alle Profile mit demselben vorgegebenen Passwort gesichert werden. Angeblich sollte so der Umgang des Managements mit den Konten erleichtert werden. Bei seiner Neuanmeldung habe jeder Auswerter seinen Usernamen und das Passwort in einer E-Mail zugesandt bekommen. Und zwar in Klartext.

Fehlauslöser und private Details

Anfangs habe der Guardian-Informant noch in einem Büro des Auftraggebers gearbeitet, später dann in der eigenen Wohnung. Dabei seien ihm sowohl bewusst geäußerte Sprachbefehle als auch offensichtliche Fehlmitschnitte zu Ohren gekommen. Als Beispiel nannte der Mann Aufnahmen, bei denen es sich möglicherweise um Fälle von häuslicher Gewalt gehandelt habe. Wer außer ihm Ohrenzeuge wurde, schien seine Vorgesetzten nicht zu interessieren. Auch gegen das Weitergeben der Log-In-Daten habe es keinerlei Schutzmaßnahmen gegeben. Nachdem er sich inzwischen selbst mit Cybersecurity befasst habe, könne er den Mangel an Sicherheitsvorkehrungen kaum glauben, so der Whistleblower.

Fazit

Gegenüber dem Guardian hat Microsoft alle Vorwürfe zurückgewiesen. Nach den Berichten über die Abhörpraxis im vergangenen Sommer habe man die Auswertungsprozesse für Skype und Cortana beendet. Weitere Transkriptions- und Verbesserungsmaßnahmen seien in „sichere Einrichtungen“ verlegt worden. Keine davon befinde sich in China.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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