Luca-App: Chaos Computer Club fordert „Bundesnotbremse“

(0 Bewertungen, 0 von 5)

Die Software sei mangelhaft, das Geschäftsmodell fragwürdig und beim Kauf der Lizenzen habe man alternative Anbieter bewusst übersehen. Die IT-Experten des Chaos Computer Clubs zeigen wenig Verständnis für die öffentliche Unterstützung der Kontakt-Verfolgungs-App „Luca“. Nachdem gerade eine weitere Sicherheitslücke aufgedeckt worden ist, fordert der CCC, keine Steuergelder mehr in das Projekt zu investieren.

Anzeige

Besucherverläufe einsehbar

Die nun entdeckte Schwachstelle betrifft Hunderttausende von Luca-Schlüsselanhängern. Damit sollen sich Menschen registrieren können, die kein Smartphone besitzen. Doch die Anhänger weisen ein massives Datenschutz-Problem auf: Jeder, der den QR-Code scannt, hat Einblick in die gesamte Historie bisher besuchter Örtlichkeiten. Und: Er oder sie kann diesen gescannten Code künftig nutzen, um unter fremdem Namen einzuchecken. Und dabei handelt es sich nur um das jüngste in einer Reihe von Software-Problemen. So sind Entwickler jederzeit in der Lage, einzelne Geräte zu identifizieren und einem Besuchsverlauf zuzuordnen. Nutzer wiederum können problemlos Fake Accounts anlegen und sich damit einloggen. Vor Ort sein müssen sie dabei nicht; es reicht der Scan eines abfotografierten QR-Codes.

 

Handwerkliche Fehler und Schwachstellen

Ein weiteres Privacy-Problem sieht der CCC in der zentralen Speicherung sämtlicher Daten beim Betreiber. IT-Security-Experten hätten schon frühzeitig verschiedenste Missbrauchsmöglichkeiten dieses Ansatzes aufgezeigt. Dennoch hätten bereits mehrere Landespolitiker Ein-Jahres-Lizenzen für die App erworben, unter anderem Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Berlin. Insgesamt seien bisher über 20 Millionen Euro an Steuergeldern in die Nutzung der Anwendung investiert worden. Dabei verblieben Daten, App und Infrastruktur nach dieser Zeit im Besitz der Betreiber, eines privatwirtschaftlichen Unternehmens. Das plane schon jetzt weitere Einnahmequellen für die Zukunft. So solle „Luca“ an Eintrittskarten- und Reservierungssysteme oder in das Besuchermanagement von Veranstaltungen eingebunden werden.

 

Ein Rapper als IT-Experte

Dass die App trotz bekannter Probleme öffentlichen Zuspruch findet, liegt nach Meinung von CCC-Sprecher Linus Neumann vor allem am Marketing von Unternehmens-Teilhaber Smudo. Das habe auch dazu beigetragen, dass Politiker auf normalerweise vorgeschriebene Ausschreibungen verzichtet hätten. Dabei gebe es an die 30 weitere Projekte, die vergleichbare Leistungen im Angebot hätten. Nicht zuletzt solle auch die datensparsame Corona-App mit dem nächsten Update eine Kontaktverfolgungsfunktion erhalten.

 

Fazit

Millionen Steuergelder sind bereits in eine handwerklich schlecht gemachte App geflossen, so die IT-Experten vom Chaos Computer Club. Nun müsse die „Notbremse“ gezogen werden. Der Bundesrechnungshof solle umgehend die Vergabepraktiken prüfen. Schließlich gehe es um hochsensible Gesundheits- und Bewegungsdaten. Die dürften nicht mit einer ungeprüften Software auf Kosten der Steuerzahler verarbeitet werden.

Anzeige

10000 Buchstaben übrig


Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Unkontrollierte Datensammlung: Microsoft Office Pro Plus verstößt gegen die DSGVO Eine Untersuchung im Auftrag der niederländischen Regierung dürfte auch deutsche Nutzer der Unternehmenssoftware Office beunruhigen. Demnach geben 300.000 Staat...
Weiterlesen...
Nutzertracking: Datenschützer warnen vor Bußgeldern Erst kürzlich kündigte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBZ) an, rechtlich gegen 8 Medienunternehmen vorzugehen. Der Vorwurf: Sie würden Trackingmethoden...
Weiterlesen...
iPhone-Sicherheitslücke Checkm8: Was User wissen müssen Apple gehört mit seinen Geräten zu den sicheren Anbietern am Markt. Vor wenigen Tagen fand jedoch der Hacker „axi0mx“ eine schwerwiegende Sicherheitslücke bei v...
Weiterlesen...
Digitalisierung: Ist Überwachung am Arbeitsplatz in Ordnung? Die Digitalisierung verändert die Art, wie wir arbeiten. Sie könnte dabei auch dafür sorgen, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter mehr überwachen. Sind Arbeitnehme...
Weiterlesen...
Datenschutz: Namensschilder für Polizeibeamte rechtmäßig? Polizeibeamte müssen bei Amtshandlungen an ihrer Dienstkleidung bzw. Uniform ein Namensschild tragen – so will es die gesetzliche Regelung in Brandenburg seit 2...
Anzeige DSGVO

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren regelmäßigen und kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Hinweis: Sie können den Newsletter von eRecht24  jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMESuchmaschienoptimierung & OnlinemarketingRechtliche OnlineShop-Prüfung
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support