Social Networks: Kündigung wegen Hochzeitsbild auf Facebook

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Die Nutzung von Facebook gehört heutzutage zu den Selbstverständlichkeiten des täglichen Lebens. Mittlerweile ist das Soziale Netzwerk aber auch oft Gegenstand von Gerichtsverfahren. So lag dem Arbeitsgericht Krefeld kürzlich die Frage vor, ob ein Facebookfoto einen außerordentlichen Kündigungsgrund begründen kann.

Krankgeschriebener Arbeitnehmer stellt Foto von seiner Hochzeit auf Facebook online

Im vorliegenden Fall ging es um einen Lageristen aus Viersen. Dieser war seit Oktober letzten Jahres bei einem Transportunternehmen angestellt. Auf Grund eines Bandscheibenvorfalls war er jedoch im Mai 2013 arbeitsunfähig krankgeschrieben worden. Bei seiner Hochzeit im Juni hob er seine hochschwangere Frau durch ein herzförmig ausgeschnittenes Laken - ein typischer Hochzeitsbrauch. Ein hiervon online gestelltes Foto veranlasste seinen Arbeitgeber jedoch dazu, die Kündigung auszusprechen.

Unternehmen sah im Verhalten des Arbeitnehmers einen Kündigungsgrund

Begründet wurde die Kündigung mit dem Verhalten des Arbeitnehmers auf seiner eigenen Hochzeit. Indem er seine hochschwangere Ehefrau hochhob, habe der Mitarbeiter nach Ansicht des Unternehmens seine Mitwirkungspflicht gegenüber dem Arbeitgeber schwerwiegend verletzt. Während einer Krankschreibung ist man nämlich als Arbeitnehmer verpflichtet, an einer Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit mitzuwirken und am Heilungsprozess begünstigend mitzuwirken. Der Arbeitgeber war hier der Ansicht, dass das schwere Heben den Genesungserfolg maßgeblich beeinträchtigen würde, da bei einer Bandscheibenverletzungen vor allem die Schonung des Rückens erforderlich ist. Das Transportunternehmen hielt daher eine außerordentliche (fristlose) Kündigung für zulässig. Hilfsweise wurde jedoch zugleich die ordentliche Kündigung ausgesprochen. Der Lagerist ging gegen die Kündigung mit einer Kündigungsschutzklage vor. Er begründete sein Verhalten damit, dass er sich in einem nachvollziehbaren Rausch der Hochgefühle befunden hatte und nur deshalb seine Frau hochgehoben hätte. Die Klage wurde beim Arbeitsgericht Krefeld eingereicht (Az.: 3 Ca 1384/13).

Arbeitnehmer einigt sich außergerichtlich mit dem Speditionsunternehmen

Das Gericht musste die Frage, ob aus der Handlung des Lageristen im konkreten Fall ein Kündigungsgrund abgeleitet werden könne, nicht entscheiden. Die Parteien einigten sich beim Gütetermin am 16.08.2013 außergerichtlich. Die Kündigung bleibt zwar bestehen, jedoch wurde die fristlose in eine ordentliche Kündigung umgewandelt. Zudem erhält der 21- jährige, der mittlerweile Vater eines Kindes ist, eine Abfindung.

Fazit:

Arbeitnehmer sollten bei Veröffentlichung von Freizeitgestaltungen bei Facebook stets Vorsicht walten lassen. Grundsätzlich sollte natürlich jedes Verhalten, das im Widerspruch zu einer bestehenden Krankschreibung steht, unterlassen werden um den Heilungserfolg nicht zu gefährden. Wenn man jedoch auf solche Aktivitäten und das Posten derselben trotz Krankmeldung nicht verzichten möchte, empfiehlt es sich, zumindest die Privatsphäreeinstellungen bei Facebook entsprechend anzupassen.

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Kommentare  
Tim Neubert
0 # Tim Neubert 04.02.2018, 00:46 Uhr
Für mich gehört Facebook nach wie vor zu keiner Selbverständlichkeit. Es ist eher andersherum. Quasi: Professionalität beginnt ohne FB Account. In den letzten 1 1/2 Jahren, seit ich FB bewußt verfolge, stelle ich eher tägliche negative Schlagzeilen fest.
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