In App Kauf: Haben die Nutzer ein Widerrufsrecht?

(2 Bewertungen, 5.00 von 5)

Auch beim Kauf von virtuellem Spielegeld oder Gegenständen in Onlinespielen gibt es ein Widerrufsrecht. Die Spiele-Anbieter versuchen allerdings fast immer, dieses Widerrufsrecht für in App Käufe und in Game Käufe auszuschließen. Aber ist das Überhaupt erlaubt?

Anbieter von Online-Rollenspiel schließt Widerrufsrecht schon beim Kaufabschluss aus

Die Anbieterin des Online-Rollenspiels „NosTale“ bot ihren Spielern den Kauf von „NosTalern“ an. Hierbei handelt es sich um die virtuelle Währung in dem Spiel. Der Verkauf erfolgte über einen Online-Shop. Dort hieß es links neben dem Button „Jetzt kaufen“:

„Mit Klick auf „Jetzt kaufen“ stimme ich der sofortigen Vertragsdurchführung durch G… zu und weiß, dass dadurch mein Widerrufsrecht erlischt.

Zum 13. Juni 2014 gab es eine Gesetzesänderung. Diese hat zur Folge, dass Kunden für die digitalen Dienste oder Inhalte ihr Geld zurückverlangen können, obwohl diese von Ihnen bereits genutzt oder verbraucht wurden. Dadurch hat der Missbrauch von Kauf digitaler Güter erheblich zugenommen. Um den wirtschaftlichen Schaden von uns und unseren Kunden abzuwenden, müssen wir dich leider darum bitten, beim Einkauf in unserem Shop auf dein Widerrufsrecht zu verzichten. Ohne diese Maßnahme wären in absehbarer Zeit gezwungen, unsere Preise zu erhöhen. Dies liegt jedoch weder in unserem noch in deinem Interesse. Wir bitten dich um Verständnis“

Ein Verband hielt das Vorgehen des Anbieters für unzulässig und mahnte ihn ab. Der Spieleanbieter war anderer Ansicht. Der Fall landete vor dem Landgericht Karlsruhe.

Anzeige

LG Karlsruhe: Widerrufsverzicht erst nach Kauf virtueller Güter möglich

Das Landgericht Karlsruhe (Urteil vom 25. Mai 2016, 18 O 7/16) gab dem Verband recht. Das Widerrufsrecht beim Kauf von Gütern in Online-Games erlischt nur in ganz engen Grenzen. Das Recht erlischt nur dann, wenn der Anbieter mit der Lieferung des Spielegelds oder anderer virtueller Gegenstände begonnen hat, nachdem der Spieler

  1. ausdrücklich zugestimmt hat, dass der Anbieter mit der Lieferung der Güter vor Ablauf der zweiwöchigen Widerrufsfrist beginnt und
  2. der Spieler weiß, dass sein Widerrufsrecht mit der Lieferung erlischt und diese Kenntnis bestätigt.

Das Landgericht Karlsruhe entschied, dass Anbieter die Zustimmung und die Bestätigung der Kenntnis des Spielers über das Erlöschen des Widerrufsrechts erst nach und nicht bei dem Kauf der Güter einholen dürfen.

Im Klartext: Spieler können nicht schon beim Klicken auf den „Jetzt kaufen“-Button auf ihr Widerrufsrecht verzichten, da der Klick den Kauf erst abschließt. Für den Verzicht ist eine weitere, spätere Erklärung des Spielers erforderlich.

Praxis-Tipp:

1. Anbieter von Online-Games und digitalen Inhalten müssten nach deisem Urteil die Zustimmung des Kunden zum Erlöschen des Widerrufsrechts nach dem Kauf einholen.

2. Nicht ausreichend ist es zumindest nach Ansicht des LG Karlsruhe, wenn sie die Zustimmung beim Abschluss des Kaufs durch den Kunden einholen, etwa durch eien Checkbox "Ich weiß, dass ich mein Widerrufsrecht verliere....". In diesem Fall können die Spieler weiterhin auf ihr Widerrufsrecht bestehen.

Update: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es wurde Berufung eingelegt.

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Werbeblocker: Spiegel Online verliert gegen AdBlock Plus Der Werbeblocker „AdBlock Plus“ ist vielen Unternehmen ein Dorn im Auge. Dennoch kann sich das Unternehmen hinter dem Service vor Gericht oft gegen Kritiker beh...
Weiterlesen...
Gebrauchte Software-Lizenzen dürfen nicht gehandelt werden Dies hat das US-Software-Unternehmen Oracle in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Das Unternehmen beruft sich dabei auf ein aktuelles Berufungsurteil des O...
Weiterlesen...
Widerruf: Apple schränkt Rückgaberecht für Apps ein Seit Ende Dezember 2014 gibt Apple seinen Nutzern des App Stores die Möglichkeit, innerhalb von 14 Tagen vom Widerrufsrecht Gebrauch zu machen. Wer jedoch zu hä...
Weiterlesen...
Youhavedownloaded.com: Website verrät illegale Downloads Die Medienindustrie nutzt schon lange Tools, um über die IP-Adresse eines Internetusers herauszufinden, welche Downloads getätigt wurden. Jetzt demonstriert die...
Weiterlesen...
Endgültige Version der GPLv3-Lizenz erschienen Die General Public Licence (GPL) ist eine Lizenz, die insbesondere für die Lizenzierung von Software entwickelt wurde. Nun ist die Endfassung der GPLv3 erschien...
Anzeige Datenschutz-Kit
Anzeige
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details