Onlineshops: Dürfen Händler Kunden für Bewertungen mit Gutscheinen belohnen?

(3 Bewertungen, 4.67 von 5)

Kundenbewertungen im Internet sollen die Qualität der Leistungen des Händlers widerspiegeln. Daher ist es besonders wichtig, dass die Kunden bei der Abgabe der Bewertungen frei von jeglicher Beeinflussung sind. Es stellt sich jedoch die Frage, ob Händler für Bewertungen Belohnungen in Form von Gutscheinen vergeben dürfen. Dieser Problemfall lag dem Oberlandesgericht Hamm zur Entscheidung vor.

Onlinehändler beschenkt Kunden für abgegebene Bewertungen mit 25 Euro-Gutscheinen

Der Betreiber einer Online-Druckerei verschickte an seine Kunden E-Mails, in welchen sie aufgefordert wurden Bewertungen auf bestimmten Kundenportalen abzugeben. Im Gegenzug sollten sie für jede abgegebene Bewertung einen Druckgutschein im Wert von 25 Euro erhalten. Wörtlich hieß es in dem Schreiben wie folgt:

„So einfach geht’s: Bei ciao, dooyoo, Qype, KennstDuEinen, Facebook oder Twitter registrieren. Kurzen persönlichen Erfahrungsbericht schreiben. Link zu Ihrem Erfahrungsbericht an #######@##### ##.de senden. Nach unserer kurzen Prüfung Ihres veröffentlichten Erfahrungsberichts senden wir Ihnen umgehend jeweils einen 25,- € Druckgutschein für jede Veröffentlichung (also bis zu 5 x 25,-€) zu!"

Ein Konkurrent des Händlers hielt dieses Vorgehen für wettbewerbswidrig. Das Landgericht Münster bestätigte die Ansicht des Mitbewerbers. Die Richter des Landgerichts entschieden daher, dass die E-Mails nicht mehr versendet werden dürfen. Hiergegen ging der betroffene Händler in Berufung, sodass das Oberlandesgericht Hamm den Fall entscheiden musste.

Kundenbewertungen dürfen nicht ohne Weiteres erkauft werden

Das Oberlandesgericht Hamm (Urteil vom 10. September 2013, Az. 4 U 84/13) bestätigte die Auffassung des Landgerichts. Die Aufforderung an die Kunden verstieß gegen das Wettbewerbsrecht. Dabei argumentierten die Richter des Oberlandesgericht, dass die E-Mails auf bezahlte Bewertungen gerichtet waren. Die Gutscheine sollten die Kunden zur Abgabe von Bewertungen veranlassen. Solche erkauften Bewertungen sind aber in aller Regel unzulässig, da sie potentielle Kunden in die Irre führen. Diese gehen davon aus, dass etwaige Empfehlungen hinsichtlich der Leistungen des Händlers unbeeinflusst erfolgen. Jedoch stellten die Richter auch klar, dass bezahlte Bewertungen ausnahmsweise zulässig sind, wenn in diesen ausdrücklich auf die Bezahlung hingewiesen wird. Dies war vorliegend jedoch nicht der Fall, sodass der Händler schon das Versenden der E-Mails unterlassen muss.

Fazit:

Erkaufte Bewertungen sind grundsätzlich unzulässig. Etwas anderes kann gelten, wenn in den Kundenempfehlungen darauf hingewiesen wird, dass die Bewertung erkauft wurde. Dabei gilt es zu beachten, dass schon die Aufforderung des Kunden zur Abgabe einer bezahlten Bewertung unzulässig ist. Um teuren Abmahnungen vorzubeugen, sollten Händler gänzlich auf eine solche Marketingstrategie verzichten.

Praxis-Tipp
Für mehr Informationen nehmen Sie einfach an unserem kostenlosen Webinar "Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten" teil:

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.

Captcha
Aktualisieren

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Abmahnungen Becker und Haumann Rechtsanwälte wegen Bundesliga Eintrittskarten Die Kanzlei Becker & Haumann Rechtsanwälte verschickt Abmahnungen wegen des Verkaufs von Eintrittskarten für Bundesligaspiele. Betroffen sind unter anderem ...
Weiterlesen...
DSL Anschluss: Können Kunden ihren DSL-Vertrag kündigen, wenn die Geschwindigkeit zu gering ist? Telekommunikationsdienstleister locken mit schnellen Internetverbindungen. Doch was können Kunden unternehmen, wenn die tatsächliche Geschwindigkeit hinter de...
Weiterlesen...
Facebook-Comicbilder: Droht eine Abmahnwelle für Facebook-Profilbilder? Viele Facebook-User sind in hellem Aufruhr. Zunächst machte folgender Aufruf die Runde: "Ersetzt Euer Profilbild durch ein Bild einer Comic-, Cartoon- oder Spie...
Weiterlesen...
Softwaredownload: Haftung für das Bereitstellen von fremder Software Nahezu jeder Internetnutzer hat schon einmal eine freie Software aus dem Internet herunter geladen. Das ist legal und auch gut so. Aber wie verhält sich dies be...
Weiterlesen...
Filesharing: 800 Euro Abmahnkosten für ein Hörbuch Abmahner verlangen häufig hohen Schadensersatz von Filesharern. Immer wieder wird darum gestritten, wie viel Schadensersatz die Abmahner überhaupt verlangen kön...
 
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Sind Sie bereit für die DSGVO? Die Zeit läuft…
So setzen Sie die DSGVO schnell & einfach um

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support