Providerwechsel: Bei Umzug zahlt Kunde auch ohne Leistung drei Monate weiter

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Wer einen Vertrag für Kabel- oder Internetfernsehen abschließt, bindet sich oft über viele Monate. Was aber, wenn er nach einem Wohnungswechsel von seinem Anbieter gar nicht mehr versorgt werden kann? Dann gilt ein Sonderkündigungsrecht. Die Frist beginnt aber erst mit dem Tag des Umzugs. Manch ein Kunde zahlt also drei Monate weiter, ohne eine Leistung zu erhalten.

Vodafone: „Kündigung erst am Tag des Wohnungswechsels möglich“

Im konkreten Fall hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen gegen Vodafone geklagt. Wie im Telekommunikationsgesetz festgelegt, räumt das Unternehmen seinen Kunden im Falle eines Umzugs ein Sonderkündigungsrecht ein. Schließlich ist es gut möglich, dass die ursprünglich gebuchte und bezahlte Telefon-, TV- oder Internetleistung am neuen Wohnort gar nicht zur Verfügung steht.

Allerdings gilt auch dann eine dreimonatige Kündigungsfrist. Und die beginnt laut Vodafone-Vertrag frühestens mit dem Tag des Umzugs. Das kann bedeuten, dass ein Kunde ab dem Wohnungswechsel noch 90 Tage weiter zahlen muss, ohne eine Leistung zu erhalten. Die Verbraucherzentralen klagten gegen diese Regelung und bekamen in erster Instanz Recht. Nach der Revision allerdings kam das Oberlandesgericht München zu einem anderen Urteil.

Richter: „Niemand zahlt gerne ohne Gegenleistung“

Das Gericht folgte dabei der Argumentation des Unternehmens: Dürften Kunden bereits vor dem Umzug kündigen, wäre das Missbrauchsrisiko zu groß. Vertragsteilnehmer könnten einen Ortswechsel nur vortäuschen, um schneller zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Das aber solle verhindert werden. Der Richter räumte allerdings ein, dass das Urteil für Kunden unerfreulich sei.

Auch die Verbraucherzentralen hätten sich ein anderes Ergebnis gewünscht. Wichtig aus ihrer Sicht ist aber vor allen Dingen, dass die Rechtslage mit dem Urteil endlich geklärt ist. Denn das Telekommunikationsgesetz schreibt lediglich das Sonderkündigungsrecht bei Wohnungswechsel vor. Wann eine solche Kündigung frühestens erfolgen kann, war bis zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Fazit:

Wer umzieht, und seinen Internet-, Fernseh- oder Telefonanbieter nicht mitnehmen will, zahlt trotz Sonderkündigungsrecht 3 Monate ab dem Umzugsdatum weiter. Eine solche Vertragsklausel ist rechtmäßig. Trotzdem geht es auch in einem solchen Fall um Schnelligkeit. Denn die Kündigungsfrist beträgt drei Monate ab Eingang des Schreibens. Wenn das also erst nach mehreren Wochen im neuen Heim abgesendet wird, läuft der alte Vertrag noch entsprechend länger.

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Kommentare  
Dagmar
-3 # Dagmar 03.02.2018, 08:23 Uhr
Das wird aber nicht überall so gehandhabt. Bei Unitymedia gilt: 3 Monate zum Monatsende ab Erstmeldung. Diese kann telefonisch erfolgen, danach wird eine schriftlich Kündigung benötigt. Diese wird zunächst fristgerecht zum Ende der Vertragslaufzeit eingestellt und eine Meldebescheinigung wird angefordert. Nach Eingang der Bescheinigung wird die neue Anschrift nochmals überprüft und, falls nicht versogbar, wird das Kündigungsdatum angepasst. Wer sich also früh genug meldet, kommt in diesen Fall pünktlich zum Tag des Umzugs aus dem Vertrag raus.
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Lara
+4 # Lara 25.10.2018, 12:44 Uhr
Aus meiner Sicht muss man auch differenzieren.
Wir ziehen in unser Eigenheim um und dort gibt es den Anbieter nicht.
Das kann man aus meiner Sicht nicht misbräuchlich vortäuschen. Es sei denn man kauft mal eben so ein Haus um die Providerrechnung frühzeitig zu kündigen...
Außerdem könnte man doch einen unterschriebenen Mietvertrag/Kautionszahlung und Einwohnermeldeamt Bestätigung verlangen lassen um Vortäuschungen vorzubeugen. Ich kann der Argumentation des Richters nicht folgen.
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Roswitha Mayer
0 # Roswitha Mayer 28.01.2019, 18:29 Uhr
Wir hatten 2017 eine Wohnung in einem neu zu erstellenden Wohngebiet gekauft.
Bis 2 Wochen vor unserem Umzug im September 2018 gab es keinen Verfügbarkeitscheck von 1&1, ob es an dem neuen Wohnort eine Genehmigung zur Durchleitung für das Glasfasernetz der Telekom gibt.
Also haben wir vorsorglich unseren, seit 10 Jahren bestehenden Vertrag gekündigt per Einschreiben mit Rückschein und die Lastschrift ab September 2018 entzogen. Die angeforderte Rückantwort haben wir nicht erhalten, dafür aber jede Menge E-Mails, was man uns alles anbieten könne.
Als sich herausstellte, dass 1&1 den bestehenden Vertrag vor Ort nicht erfüllen kann, haben wir noch einmal per Einschreiben mit Rückschein gekündigt und gleichzeitig die Berechtigung zur Lastschrift entzogen.
Ja, wir haben auch die 3 Monate Zahlung akzeptiert, die ein Mitarbeiter per E-Mail angeboten hat. Ende der Laufzeit wäre Ende November 2018 gewesen.
1&1 bestätigt nach jedem Schreiben die Sonderkündigung, bucht aber fleißig für November/Dezember 2018 und sogar Januar/Februar 2019 Geld von unserem Konto ab.
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Gunde Leonhardt
0 # Gunde Leonhardt 05.03.2019, 13:20 Uhr
Wir sind umgezogen, am neuen Wohnort kein Unitymedia vorhanden. Kündigung erst möglich nach zusenden der Meldebescheinigung am neuen Wohnort , bedeutet noch 3 Monate bezahlen ohne Leistung, die ja nicht möglich ist von Unitymedia zu erbringen. Das Gerichtsurteil meines Erachtens ein Fall für die nächste Instanz.
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