Arbeitsrecht: Kündigung wegen Urlaubsantritt ohne Zustimmung des Arbeitgebers?

(5 Bewertungen, 3.60 von 5)

Arbeitnehmer haben grundsätzlich ein Recht auf Urlaub. Wie sieht es aber aus, wenn der Arbeitnehmer den Urlaub ohne Zustimmung seines Arbeitgebers antritt? Das Landesarbeitsgericht Köln hatte einen Fall zu entscheiden, in welchem dem Arbeitnehmer gerade aus diesem Grund gekündigt wurde.

Arbeitnehmer tritt Urlaub ohne Zustimmung des Arbeitgebers an

Der von der Kündigung betroffene Arbeitnehmer, welcher in einer Einrichtung arbeitete, wollte in den Urlaub gehen und reichte diesbezüglich einen Antrag bei seinem Arbeitgeber ein. In der Folgezeit wurde der Urlaubszeitraum in den Dienstplan eingetragen, sodass der Angestellte davon ausging, dass der Urlaub genehmigt wurde. Zudem wurde ihm vom stellvertretenden Einrichtungsleiter mitgeteilt, dass der entsprechende Antrag von ihm unterschrieben wurde. Daraufhin trat er seinen Urlaub an. Später wurde der Betroffene jedoch fristlos bzw. hilfsweise (falls die fristlose Kündigung unwirksam sein sollte) fristgerecht gekündigt. Der Arbeitnehmer begründete diese Vorgehen damit, dass der Urlaub nicht genehmigt wurde. Die Eintragung im Dienstplan sei nicht ausreichend, da dieser nur der Personalplanung diene. Der Arbeitgeber brachte vor, dass Urlaubszusagen mündlich mitgeteilt werden. Eine solche Mitteilung habe es jedoch nicht gegeben, sodass der Arbeitnehmer nicht berechtigt gewesen sei, den Urlaub anzutreten. Die Zustimmung sei aus betrieblichen Gründen nicht erteilt worden. Das Landesarbeitsgericht Köln musste nun die Frage beantworten, ob die Kündigung berechtigt war.

Eigenmächtiger Urlaubsantritt ist kein Kündigungsgrund

Das Landesarbeitsgericht Köln (Urteil vom 28. Juni 2013, Az. 4 Sa 8/13) urteilte, dass die Kündigung unwirksam ist. Weder die fristlose, noch die fristgerechte Kündigung waren rechtmäßig gewesen. Die Richter stellten zwar klar, dass der Urlaubsantritt eines Arbeitnehmers ohne die erforderliche Zustimmung des Arbeitgebers grundsätzlich geeignet ist, eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen. Allerdings muss im jeden Einzelfall eine Interessabwägung zwischen den Interessen des Arbeitnehmers und denen des Arbeitgebers erfolgen. Diese Abwägung fällt im vorliegenden Fall zugunsten des Arbeitnehmers aus.

Die Zustimmung bezüglich eines Urlaubantrags darf aus betrieblichen Gründen nur dann verweigert werden, wenn besondere Gründe vorliegen. Solche hat der Arbeitgeber aber nicht vorgebracht. Zudem ist die Mitteilung des stellvertretenden Einrichtungsleiters maßgeblich. Aufgrund der Stellung des Stellvertreters durfte der Arbeitnehmer davon ausgehen, dass der stellvertretende Einrichtungsleiter zur Urlaubsgenehmigung berechtigt war. Daher durfte der Arbeitnehmer auch davon ausgehen, dass er den Urlaub antreten durfte. Der Arbeitnehmer muss daher weiterhin beschäftigt werden.

Fazit:

Bei einer außerordentlichen Kündigung sind stets die Interessen des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers in Ausgleich zu bringen. Das Gericht hat zwar vorliegend zugunsten des Arbeitnehmers geurteilt aber zugleich auch eine Einzelfallrechtsprechung vorgenommen. Eigenmächtige Urlaubsantritte ohne Zustimmung des Arbeitgebers sind in vielen Fällen ein Kündigungsgrund, sodass Angestellte im Vorhinein klären sollten, ob dem Urlaubsantrag zugestimmt wurde.

Anzeige

10000 Buchstaben übrig


Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Das wichtigste zum Arbeitsrecht: Was Sie zu Arbeitsvertrag, Abmahnung, Kündigung und Internet am Arbeitsplatz wissen müs... Der eigene Job nimmt für die meisten Deutschen einen wichtigen Platz in ihrem Leben ein. Das Arbeitsrecht ist allerdings von einer nahezu unüberschaubaren Vielz...
Weiterlesen...
Arbeitsrecht: Muss ein Mitarbeiter Schadensersatz zahlen, wenn er den Arbeits-PC mit Viren verseucht? Viren, Trojaner und andere Schadprogramme im lokalen Netzwerk eines Unternehmens bedeuten schlimmstenfalls das Aus. Da stellt sich die Frage: Muss ein Mitarbeit...
Weiterlesen...
Die Kündigung im Arbeitsrecht: 10 Punkte, die Sie beachten sollten Erhalten Sie vom Arbeitgeber ein Kündigungsschreiben, so heißt das noch lange nicht, dass die Kündigung auch wirksam ist. Möglicherweise leidet sie bereits an e...
Weiterlesen...
Social Media Guidelines: Wie kommunizieren Ihre Mitarbeiter bei Facebook & Co? Unternehmen stehen heute immer wieder vor der Frage, ob sie Sozialen Netzwerke aktiv nutzen, dulden oder gar verbieten sollten. An dieser Frage scheiden sich di...
Weiterlesen...
Die Abmahnung im Arbeitsrecht: Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer wissen müssen Verstößt der Arbeitnehmer gegen die Pflichten aus seinem Arbeitsvertrag, so kann ihn der Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen abmahnen. Dies hat zur Fol...

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren regelmäßigen und kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Hinweis: Sie können den Newsletter von eRecht24  jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMESuchmaschienoptimierung & OnlinemarketingRechtliche OnlineShop-Prüfung
Anzeige

Im Themenfeld Arbeitsrecht hat sich in den letzten Jahren auch durch das Internet einiges geändert. Neue Fragen wurden aufgeworfen, die es ohne die Internet-Technologie nicht gab. Das Arbeitsrecht befasst sich mit den Rechten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen.

Typische Fragestellungen im Arbeitsrecht (Quelle: www.perwiss.de) in Bezug auf die neuen Medien sind bspw.: Wie das Internet am Arbeitsplatz genutzt werden darf oder in welcher Form eine Kündigung im Internetzeitalter zu erfolgen hat. Vor allem die Fragen, wer dafür haftet, wenn ein Arbeitnehmer auf dem Dienst-Computer illegale Software installiert hat oder im Internet nicht im Sinne des Unternehmes aktiv ist, sind für alle Beteiligten eines Arbeitsverhältnisses von Bedeutung.

Informieren und Vorbeugen (durch Transparenz und klare Regeln) sind bei den rechtlichen Fragestellungen rund um das Arbeitsrecht und Arbeitsverhältnisse in Unternehmen oberstes Gebot.

Lesen Sie im Spezial Personalwesen alle wichtigen Informationen über ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, die Personalbeschaffung per Headhunter sowie die Problematiken in Mitarbeitergesprächen und Hinweise zu Zielvereinbarungen mit den Mitarbeitern.

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support