Protest von Datenschützern: O2 bricht Schufa-Pilotprojekt ab

(2 Bewertungen, 3.00 von 5)

Unter dem Namen „Check Now“ entwickelt die Schufa zurzeit eine neue Einstufungsmöglichkeit für Verbraucher. Ein erster Praxistest war Anfang November gestartet worden. Die Zielgruppe: Menschen, die wegen unzureichender Bonität als Vertragskunden bei O2/Telefonica abgelehnt worden waren. Ihnen wurde die Möglichkeit einer erweiterten Prüfung angeboten. Sie mussten dazu allerdings der Auswertung ihrer Kontoauszüge zustimmen. Am besten gleich für ein ganzes Jahr.

Anzeige

Einwilligung freiwillig

Mit negativem Schufa-Score einen Handy-Vertrag zu bekommen, ist gar nicht so leicht. Noch schwieriger gestaltet sich das Anmieten einer Wohnung oder die Aufnahme eines Kredits. Die Aussicht einer „zweiten Chance“ durch die private Auskunftei mag in einem solchen Fall verlockend erscheinen. Dazu allerdings müssen weitere Informationen preisgegeben werden, die die Schufa auf dem üblichen Wege nicht bekommt: Der Kunde muss die Einsichtnahme in seine Kontoauszüge erlauben. Ein Journalisten-Team von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hat genauer recherchiert und warnt vor einer „Durchleuchtung“ der Verbraucher. Interne Dokumente deuteten darauf hin, dass die Auskunftei bereits weitergehende Pläne für das Programm „Check Now“ habe: Sie wolle künftig einen neuen „Super-Score“ anbieten, der grundsätzlich auf der Auswertung von Kontoauszügen basiere.

Details im Kleingedruckten

Tatsächlich dürfte es viele Verbraucher überraschen: Bisher weiß die Schufa eben nicht, was sie verdienen oder wie viel Geld auf ihrem Girokonto liegt. Gespeichert sind lediglich die Zahl der Konten, die Höhe von Kredit- und Leasingverträgen und eventuelle Zahlungsschwierigkeiten. Wer den „Check Now“-Bedingungen für eine zweite Bonitätsprüfung zustimmt, verrät deutlich mehr: Lohn oder Gehalt, staatliche Leistungen, teure Hobbys, Kontopfändungen und so weiter. Klickt man angesichts des Fach-Chinesisch versehentlich ein weiteres Kästchen an, erlaubt das die Speicherung und Verarbeitung der sensiblen Daten sogar für ganze zwölf Monate.

Nach Protesten: O2 steigt aus

Die Schufa verteidigt die Idee von „Check Now“. Wer sich freiwillig für die Speicherung seiner Kontodaten entscheide, spare sich für den Zeitraum eines Jahres weitere Abfragen. Die Einwilligung könne zudem jederzeit widerrufen werden. Und: Selbstverständlich würden die Daten nur zweckgebunden verarbeitet. Im Rahmen des Pilotprojekts bei O2 habe man ohnehin noch keinerlei Informationen gespeichert, sondern lediglich „die Klickstrecke getestet“. Darüber hinaus habe man herausfinden wollen, ob Verbraucher grundsätzlich einer zwölfmonatigen Aufbewahrung ihrer Daten zustimmen würden. 

Fazit

Politiker, Verbraucher- und Datenschützer reagierten mit Entsetzen auf die Berichte über „Check Now“. Sie fürchten, dass verzweifelte Nutzer die Tragweite ihrer Einwilligung nicht überblicken könnten. Um den begehrten Handy- oder Internet-Vertrag doch noch zu bekommen, würden sie sich regelrecht „nackig machen“. Gleichzeitig könnten anderen Verbrauchern Nachteile entstehen, wenn sie die erweiterte Prüfung ablehnten. Eine neue Diskussion um Macht und Kontrolle der Schufa ist entfacht. O2 jedenfalls hat das Pilotprojekt nach dem verheerenden Medienecho beendet.

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Captcha Aktualisieren
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Smart Toys: Benötigen Hersteller bald ein Sicherheitssiegel? Immer mehr Haushalte verfügen über smarte Geräte. Davon ist auch das Kinderzimmer nicht ausgenommen. Smart Toys interagieren mit Kindern, indem sie sich mit ihn...
Weiterlesen...
Daten-Hack: Chatforum „Knuddels“ muss 20.000 Euro wegen DSGVO-Verstoß zahlen Zum ersten Mal hat eine deutsche Datenschutzbehörde ein so hohes Bußgeld im Zusammenhang mit der DSGVO verhängt. Gleichzeitig spricht der Landesbeauftragte ein ...
Weiterlesen...
DSGVO-Verstoß: Dating-App Grindr soll 9,63 Millionen Euro zahlen Mit jedem Öffnen der Anwendung sollen Grindr-Nutzer unfreiwillig sensible Daten an Werbetreibende weitergegeben haben. Das hat eine Untersuchung der norwegische...
Weiterlesen...
Phishing: Bank muss zahlen - trotz Weitergabe der Zugangsdaten an Ehemann Der Grundsatz gilt für alle, die Online-Banking nutzen: Log-In, Passwort, PIN und TAN dürfen nicht gemeinsam aufbewahrt und an niemanden weitergegeben werden. W...
Weiterlesen...
Datenabfrage für Ermittlungen: Facebook verklagt EU-Kommission Bereits seit über einem Jahr ermittelt die Wettbewerbsaufsicht der EU-Kommission gegen Facebook. Dabei forderte die Behörde kürzlich unzählige interne Daten des...
Anzeige DSGVO

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren regelmäßigen und kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Hinweis: Sie können den Newsletter von eRecht24  jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMESuchmaschienoptimierung & OnlinemarketingRechtliche OnlineShop-Prüfung
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support