Datenschutz: Luca-App weiter unter Beschuss – jetzt warnen auch Sicherheitsexperten

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Worum geht's?

Schon seit dem Start der Luca-App gab es immer wieder Kritik an der Konkurrenz-Anwendung zur Corona-Warn-App. Und auch jetzt steht die App weiterhin unter Beschuss: Nicht nur der Chaos Computer Club (kurz: CCC), sondern auch Sicherheitsexperten mehrerer Universitäten und Forschungsinstitute warnen vor den Risiken des Luca-Systems.

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Luca oder Corona-Warn-App?

Beide Apps dienen im Rahmen der weltweiten COVID 19-Pandemie dazu, Infektionsketten zu unterbrechen. Die Luca-App startete quasi als Konkurrenz-Anwendung zur Corona-Warn-App der Bundesregierung. Im Gegensatz zu dieser zeichnet Luca aber nicht die Kontakte mit anderen App-Anwendern auf, sondern vielmehr die Besuche von sogenannten Locations. Damit zielen beide Anwendungen auf die Warnung vor Risikokontakten ab, nutzen dafür aber unterschiedliche Parameter. Im Vordergrund steht bei der Luca-App aber vor allem die Cluster-Erkennung in Form möglicher Infektions-Hotspots.

 

Sicherheitsexperten bemängeln Verletzung von datenschutzrechtlichen Prinzipien

Während sich die Corona-Warn-App vor allem durch Anonymität auszeichnet, bemängeln Sicherheitsexperten von Universitäten und Forschungsinstituten jetzt genau die fehlende Sicherheit der Kontaktdaten. Ebenfalls im Fokus der Sicherheitsexperten steht die Verletzung wichtiger datenschutzrechtlicher Prinzipien wie Zweckbindung, Offenheit und Transparenz, Freiwilligkeit und Risikoabwägung. Diese Prinzipien sind unmissverständlich und verbindlich durch die europäische Datenschutzgrundverordnung (kurz: DSGVO) festgelegt – und gelten natürlich auch in Pandemiezeiten.

 

Forderung nach DSGVO-Prinzipien auch bei digitaler Kontaktverfolgung

Kaum erstaunlich, dass die Sicherheitsexperten genau auf die DSGVO-Prinzipien verweisen. Diese müssen dringend auch bei digitalen Lösungen zur Kontaktverfolgung zur Anwendung kommen. Ein besonderer Hinweis gelte hier in Bezug auf die technische Zweckbindung: Den Experten zufolge fehlt diese bei der Luca-App komplett – was auch daraus zu schließen ist, dass bereits weitere "Geschäftsmodelle" diskutiert werden, die die Luca-App zur Grundlage haben.

Übrigens sieht auch die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellte Corona-Warn-App mittlerweile eine Cluster-Erkennung vor. Die Erweiterung wurde als aktuelle Update eingespielt und wird seit dem 29. April 2021 über die App genutzt.

 

Fazit

Zwar sind gerade im Rahmen der Coronavirus-Pandemie funktionierende und praktikable Lösungen gefragt – diese dürfen aber nicht den Datenschutz außen vor lassen. Dass nun auch Forscher an der Sicherheit der Luca-App zweifeln – nach der deutlichen Kritik des CCC und der Forderung nach einer Notbremse für Luca – sollte den Entwicklern zu denken geben. Hier weist man die Vorwürfe aber in einer ersten Stellungnahme zurück. Ob und welche Modifizierungen hier in der Zukunft noch notwendig sein werden, wird sich zeigen. Sicher ist aber: Die Corona-Warn-App der Bundesregierung ist beim Datenschutz deutlich überlegen.

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Schmehr
Aufgrund der niedrigen Bewertung wurde der Kommentar ausgeblendet Anzeigen Hallo, Sie bemängeln in Ihrem Beitrag die mangelnde Datensicherheit der Luca-App.Die kann ich nicht genau beurteilen. Bei der Corona-Warn-App finde ich aber eine ganz große Lücke der Datensicherheit . Und zwar das Anlegen eines QR-Codes für Veranstaltungen .Wie kann es sein, dass ich beispielsweise einen QR-Code für "Die kleine Kneipe" in Pusemuckel anlegen kann oder für ein tatsächlich bestehendes Lokal oder Firma wovon der Besitzer überhaupt nichts weiß? Welche Übertaten kann ich denn damit anrichten?Für mich ein absolutes nogo!
-12
Starkings
Guten Tag, muss ich wenn aufgefordert, in Urlaub die Luca App nutzen. In Meklenburg Vorpommern wird gerade dieser App genutzt. Ich möchte nicht, gerade wegen Datensicherung diese App nutzen.
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