Arbeitnehmer aufgepasst: Ist WhatsApp am Arbeitsplatz erlaubt?

(5 Bewertungen, 4.20 von 5)

Seit Kurzem kann der beliebte Messenger-Dienst WhatsApp – statt wie bisher nur am Handy – auch am PC genutzt werden. Das scheint bequem und ist nun im Büro vielleicht ganz unauffällig möglich. Aber ist privates Chatten am Arbeitsplatz überhaupt erlaubt?

Privates während der Arbeitszeit?

Arbeitgeber bezahlen ihre Beschäftigten, damit sie die anfallende Arbeit erledigen und nicht dafür, dass sie sich mit Privattelefonaten, Chats oder Ähnlichem abgeben. Ein Arbeitnehmer schuldet während der Arbeitszeit grundsätzlich seine gesamte Arbeitskraft. Dementsprechend kann der Arbeitgeber derartige private Beschäftigungen während der Arbeitszeit auch grundsätzlich verbieten.

Dass beispielsweise eine junge Mutter im Notfall erreichbar sein will, falls ihr Sprössling sich im Kindergarten schwer verletzen sollte, leuchtet dagegen ein. Nach § 616 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist auch eine kurzfristige Verhinderung an der Arbeitsleistung ohne eigenes Verschulden ausdrücklich möglich. Im Gegensatz zu einem solchen Notfallanruf ist Chatten wohl in den seltensten Fällen dringend und unaufschiebbar. Dabei gilt für WhatsApp grundsätzlich nichts anderes wie für das Nachrichtenschreiben per Facebook, Google+ oder anderer Dienste.

Der tatsächliche Umgang mit privaten Betätigungen am Arbeitsplatz wird in verschiedenen Betrieben unterschiedlich gehandhabt. Oft erlaubt beispielsweise der Chef oder auch eine Betriebsvereinbarung die Privatnutzung des Dienstrechners oder sie wird einfach stillschweigend geduldet. Entsprechend wird in vielen Betrieben tatsächlich legal auch privat im Internet gesurft und gechattet, wobei z. B. auch eine Beschränkung auf die Mittagspause und auf Festnetzgespräche denkbar ist. Einen Anspruch auf die private Nutzung der betrieblichen IT-Infrastruktur haben Arbeitnehmer in der Regel nicht.

WhatsApp: Sicherheitsrisiko für Unternehmen?

Bevor WhatsApp oder auch eine andere App auf dem – vielleicht auch privat nutzbaren – Diensthandy installiert wird, sollte unbedingt die Erlaubnis des Arbeitgebers eingeholt werden. Für den kann es gute datenschutzrechtliche Gründe geben, das abzulehnen. Schließlich wird im Zweifel das komplette Handy-Telefonbuch zum Abgleich an WhatsApp geschickt. Ob da sämtliche Geschäftskontakte wirklich hingehören?

Auch auf einem geschäftlichen PC sollten ohne ausdrückliche Erlaubnis oder Rücksprache mit dem Arbeitgeber nicht eigenmächtig irgendwelche Chat- oder andere Programme installiert werden. Schließlich tauchen selbst bei bekannter und seriöser Software immer wieder Sicherheitslücken auf und die Sicherheit des Unternehmensnetzwerks sollte besser kein Arbeitnehmer gefährden.

Bei Anwendungen innerhalb des Browsers ist das Risiko in der Regel geringer, aber auch hier kann sich der Benutzer schädlichen Computercode einfangen. Vorsicht ist also auch in diesen Fällen angebracht. Wer sichergehen will, keine Abmahnung zu kassieren, sollte lieber vorher genau abklären, was der Chef erlaubt hat und was nicht.

Risiko auch bei privaten Geräten

Selbst bei der Nutzung eines eigenen, privat mitgeführten Smartphones können Beschäftigte leicht eine Pflichtverletzung begehen. Zwar ist die IT-Sicherheit im Unternehmen dadurch nicht unmittelbar gefährdet, das eingangs angesprochene Problem mit der Arbeitszeit bleibt aber. Schließlich hat der chattende Arbeitnehmer einige Zeit keine Arbeitsleistung erbracht, will aber trotzdem pünktlich heimgehen und vollständig bezahlt werden.

Beim sogenannten Bring-Your-Own-Device (BYOD), wenn also private Geräte auch zu betrieblichen Zwecken verwendet werden, bestehen vergleichbare technische Risiken wie bei der Privatnutzung von Firmenrechnern. Allerdings hat der Arbeitgeber über den privaten Nutzungsanteil der Geräte kaum eine Mitbestimmungsmöglichkeit. Dass BYOD-Konzepte aus verschiedensten Gründen gut geplant sein wollen, sollte inzwischen bekannt sein.

Mehr Informationen dazu finden Sie in unserem Beitrag "Private Smartphones und Notebooks im Job: Was Sie bei Bring Your Own Device beachten müssen"

Streng genommen haben private Ferngespräche, Chats und Ähnliches am Arbeitsplatz nichts verloren. Auch wenn ein verständnisvoller Arbeitgeber grundsätzlich nichts dagegen hat, sollten die Beschäftigten das nicht zu sehr ausnutzen. Spätestens wenn die Arbeitsleistung darunter leidet oder wenn Betriebsgeheimnisse gefährdet werden, wird es Probleme geben.


Sie haben weitere Fragen zum Thema Arbeitsrecht? Lassen Sie sich auf anwalt.de individuell beraten! Die Beratungsfelder sind unter anderem:
Erstberatung für Arbeitgeber
Erstberatung für Arbeitnehmer
Wirksamkeit von Kündigung
Prüfung Ihrer Abmahnung

Kommentare  
Idee
0 # Idee 11.03.2016, 20:42 Uhr
Es gibt mit Teamwire eine sichere Enterprise Messaging App für die interne Firmenkommunikation, die auf starkem deutschen Datenschutz und Recht basiert. Die App hat den gleichen Funktionsumfang wie Whatsapp, sie gibt es aber für alle mobilen und Desktop Endgeräte. Darüberhinaus bietet Teamwire unternehmensweite Administration, starke Verschlüsselung sowie Cloud, private Cloud und On-Premise Deployments. Mehr auf http://www.teamwire.eu
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Captcha Aktualisieren
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Arbeitsrecht: Dürfen Arbeitgeber mittels „Keylogger“ Mitarbeiter überwachen? Um Verstöße gegen den Arbeitsvertrag im Zusammenhang mit der Internetnutzung aufzudecken, setzen manche Arbeitgeber sogenannte „Keylogger“ ein. Die daraus gewon...
Weiterlesen...
Zugang zu Internet und Intranet für Arbeitnehmer nach Kündigung Das Arbeitsgericht (ArbG) Berlin (Az.: 71 Ca 24785/05, Urteil vom 26.01.2007) hat entschieden, dass ein Arbeitnehmer auch nach rechtswirksamer Kündigung durch d...
Weiterlesen...
Betriebsrat: Anspruch auf Fachzeitschrift und Internetzugang? Schon mehrfach entschieden wurde, das der Betriebsrat Anspruch auf einen Internetzugang hat. Ebenfalls klar ist dass der Betriebsrat Anspruch auf Fachzeitschrif...
Weiterlesen...
Silbentrennung: Geheime Botschaft im Arbeitszeugnis? Arbeitszeugnisse werden immer wieder zum Streitthema – dabei geht es nicht nur um den Inhalt, sondern oft auch um die Form. Seit Einführung von PC, Textverarbei...
Weiterlesen...
Home Office: Darf der Chef vereinbarte Telearbeit wieder kündigen? Die Arbeit im Home Office wirft dank neuer Geräte und schnellen Internets kaum noch technische Fragen auf. Für rechtliche Fragen scheint dies aber nicht zu gelt...
Anzeige anwalt.de Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Hinweis: Sie können den Newsletter von eRecht24  jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingDatenschutzRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige

Im Themenfeld Arbeitsrecht hat sich in den letzten Jahren auch durch das Internet einiges geändert. Neue Fragen wurden aufgeworfen, die es ohne die Internet-Technologie nicht gab. Das Arbeitsrecht befasst sich mit den Rechten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen.

Typische Fragestellungen im Arbeitsrecht (Quelle: www.perwiss.de) in Bezug auf die neuen Medien sind bspw.: Wie das Internet am Arbeitsplatz genutzt werden darf oder in welcher Form eine Kündigung im Internetzeitalter zu erfolgen hat. Vor allem die Fragen, wer dafür haftet, wenn ein Arbeitnehmer auf dem Dienst-Computer illegale Software installiert hat oder im Internet nicht im Sinne des Unternehmes aktiv ist, sind für alle Beteiligten eines Arbeitsverhältnisses von Bedeutung.

Informieren und Vorbeugen (durch Transparenz und klare Regeln) sind bei den rechtlichen Fragestellungen rund um das Arbeitsrecht und Arbeitsverhältnisse in Unternehmen oberstes Gebot.

Lesen Sie im Spezial Personalwesen alle wichtigen Informationen über ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, die Personalbeschaffung per Headhunter sowie die Problematiken in Mitarbeitergesprächen und Hinweise zu Zielvereinbarungen mit den Mitarbeitern.

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support