Facebook & Co.: Dürfen private Nachrichten veröffentlicht werden?

(2 Bewertungen, 5.00 von 5)

Das soziale Netzwerk „Facebook“ ermöglicht es seinen Nutzern, private Nachrichten an andere zu verschicken. Doch dürfen diese auch öffentlich gemacht werden? Das Landgericht Hamburg hat sich mit der Frage auseinandergesetzt und eine klare Entscheidung getroffen.

Private Nachricht landete in öffentlicher Gruppe

Betroffen von dem Problem war ein Facebook-User, der an einen anderen eine private Nachricht verschickte. Die Nachricht wurde in der Folgezeit in einer öffentlichen Gruppe zugänglich gemacht. Hiervon erlangte der Autor Kenntnis. Er war der Ansicht, dass die Veröffentlichung ein Eingriff in sein Persönlichkeitsrecht darstelle. Deswegen beantragte er beim Landgericht Hamburg den Erlass einer einstweiligen Verfügung, mit dem Ziel, dass die Nachricht aus der Gruppe entfernt und eine erneute Zugänglichmachung in Zukunft unterlassen wird. Das Landgericht teilte die Meinung des Facebook-Users nicht. Es erließ die Verfügung daher nicht. Hiergegen legte der Betroffene aber eine sofortige Beschwerde ein. Das Oberlandesgericht Hamburg musste daher entscheiden.

Veröffentlichung verletzt Persönlichkeitsrecht

Das Oberlandesgericht Hamburg teilte die Bedenken des Betroffenen und gab ihm daher recht. Die Veröffentlichung der privaten Nachricht stellt nach Ansicht des OLG eine Persönlichkeitsrechtsverletzung dar. Zur Begründung verwiesen die Richter des Oberlandesgerichts auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 1954. Danach sei „jede sprachliche Festlegung eines bestimmten Gedankeninhalts Ausfluss der Persönlichkeit des Verfassers“. Hieraus ergebe sich die Befugnis des Verfassers, darüber zu entscheiden, ob und wie die Nachricht veröffentlicht werden soll. Die Richter des Oberlandesgerichts legten auch dar, dass es von diesem Grundsatz eine Ausnahme gäbe. Danach verstoße eine Veröffentlichung privater Nachrichten nicht gegen das Persönlichkeitsrecht, wenn das öffentliche Informationsinteresse an der Veröffentlichung überwiegt. Dies sei vorliegend jedoch nicht der Fall gewesen, sodass der Anspruch auf Unterlassung begründet war.

Fazit:

Veröffentlichungen von privaten Facebook-Nachrichten sind ohne entsprechende Einwilligung des Autors unzulässig und persönlichkeitsrechtsverletzend. Der Verfasser einer Nachricht hat immer auch die Befugnis darüber zu entscheiden, ob er diese veröffentlichen will oder nicht. Facebook-User sollten sich daher vor einer Veröffentlichung vergewissern, ob der Urheber der Nachricht mit einer öffentlichen Zugänglichmachung z.B. in Gruppen einverstanden ist.

Praxis-Tipp
Für mehr Informationen nehmen Sie einfach an unserem kostenlosen Webinar "Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten" teil:

Kommentare  
Rudi Franzelin
+3 # Rudi Franzelin 29.08.2016, 18:38 Uhr
Frage: Kann man wenn man von einer Firma Betrogen ist (Geld bezahlt und keine Ware erhalten auch keine Rücküberweisung erhalten) dies dem Publikum veröffentlichen? Damit nicht weitere Leute Betrogen werden ???
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Bettina
+2 # Bettina 29.05.2017, 15:53 Uhr
Gilt diese Regelung auch, wenn man den Verfasser unkenntlich macht?
Vielen Dank!
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Jochen Schult
+2 # Jochen Schult 26.07.2017, 14:33 Uhr
1) Wie verhält es sich, wenn ein screenshot auf der Seite eines FB-Freundes erst veröffentlicht wurde (screenshot: 6 Stunden nach Veröffentlichung), dann aber von ihm samt meines Kommentars gelöscht wurde? Wie ich am nächsten Tag festgestellt habe. Inzwischen hatte ich den screenshot auf meiner FB Seite veröffentlicht und den ursprünglichen Kommentar als Kommentar nachgereicht.
2) Kann ich einen Messenger-Dialog mit Originaltext, den ich mit einem Freund geführt habe, in einem literarischen Text benutzen, der auf diesem Dialog aufbaut und ihn als Ausgangspunkt für Interpretationen, Gedanken, Analysen benutzt?
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Paola Herrera
0 # Paola Herrera 05.01.2018, 17:30 Uhr
Also ich habe Fragen an Scrennschots zu veröffentlichen. Und zwar dass ich eine Wohnung oder WG suche. Ich bin eine ausländische Studentin. Und habe ich eine Anzeige von eine Wohnung gesehen und geschreiben (es war in eine Wohnung suche Gruppe in Facebook). Danach der Man hat mir genatwortet, und alles normal bis er mich gefragt hat, was kann ich für die Wohnung machen oder was ich biete dafür? Und ich wusste nicht was der genau damit meinte. Danach hat mir es erklärt und meinte:
Es ist in eine Top Lage, muss du keine Kautiion bezahlen, aber ich will ein blowjob pro Monat haben wenn du die Wohnung bekommen willst.
Ich finde es super respektlos, und ich wollte es in der Wohnung Gruppe Suche veröffentlichen, aber der hat mir gesagt dass ich eine Bestraffe dafür bekommen werde.
Ich will es irgendwie denunzieren oder melden.

Vielen Dank im Voraus
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Facebook: Abmahnung der Allmedia GmbH wegen „Like-Button“ Die Allmedia GmbH aus Sulzheim ließ einen Onlinehändler abmahnen, der den Facebook Like Button auf seiner Webseite verwendet hat, hierüber aber in seiner Datens...
Weiterlesen...
Facebook: Echtzeitticker mit versteckter Werbung Es gibt mal wieder eine Neuerung bei Facebook, der sogenannte Echtzeitticker, der sich rechts oben über der Chatleiste befindet. Nicht gerade zur Freude vieler ...
Weiterlesen...
Facebook: Gericht erklärt Massen-Abmahnungen wegen fehlendem Impressum für rechtmäßig Bereits im Jahr 2011 entschieden die Gerichte, dass für Facebook-Seiten eine Impressumspflicht besteht. Im Jahr 2012 kam es daraufhin zu massenhaften Abmahnunge...
Weiterlesen...
Social Networks: Freundefinder und AGB von Facebook sind teilweise rechtswidrig Facebook befindet sich immer öfter im Mittelpunkt der Rechtsprechung. Nachdem erst das LG Aschaffenburg eine Impressumspflicht für Facebook Pages bejahte, hat...
Weiterlesen...
Facebook: Suizid-Warnfunktion kann Leben retten Das soziale Netzwerk Facebook reagierte nun auf Hilferufe von suizidalen Personen, die oft unbeantwortet blieben. Dass diese Hilferufe ernst zu nehmen sind, zei...
Anzeige Datenschutz-Kit
Anzeige
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details