Influencer-Urteil: „Sonnyloops“ muss Links als Werbung kennzeichnen

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Wer darf was in der Influencer-Szene? Und gilt eine Verlinkung auf ein Produkt auch dann als Werbung, wenn dafür kein Geld gezahlt wurde? Eine allgemeingültige Antwort auf diese Fragen ist nach wie vor nicht in Sicht. Die Influencerin Sonnyloops allerdings muss nach einem Beschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt jetzt alle Links zu Herstellern als Werbung kennzeichnen.

Unübersichtliche Rechtslage

Cathy Hummels ist über den Verdacht der Schleichwerbung erhaben. Das meint zumindest das Landgericht München (Az. 4 HK O 14312/18). Der kommerzielle Charakter ihres Accounts sei für ihre Follower auch ohne den Hashtag #Werbung offensichtlich. Auch Influencerin Vreni Frost darf bei unbezahlten Posts auf eine Kennzeichnung verzichten – allerdings nur dann, wenn es sich um redaktionelle Inhalte handelt, die zur Information und Meinungsbildung beitragen (Berliner Kammergericht, Az. 5 U 83/18). Bei Pamela Reif wiederum stufte das Landgericht Karlsruhe (Az. 13 O 38/18 KfH) jeden Unternehmens-Hinweis als geschäftliche Handlung ein, die auch so genannt werden müsse. Mit Spannung wartete man nun auf die Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main zu der Einschätzung des Accounts von Instagrammerin Sonnyloops.

Vorinstanz gab Influencerin Recht

Mehr als 650.000 Follower hat die 23-jährige Berlinerin auf Instagram, ebenso viele Menschen folgen ihrem YouTube-Kanal. Eine Buchveröffentlichung vor einem Jahr hat die Bekanntheit des Social-Media-Stars weiter gesteigert. Vor dem OLG ging es um zwei Instagram-Einträge, in die Sonnyloops Links zu den Unternehmer-Accounts der abgebildeten Produkte gesetzt hatte. Obwohl sie sich in den Begleittexten ausdrücklich bei zwei Produktherstellern für die Einladung zu zwei Reisen bedankte, waren die Posts nicht als Anzeigen gekennzeichnet. Das Landgericht Frankfurt (Az. 2-6 O 235/19) hatte das Vorgehen für rechtmäßig gehalten. Die Links verwiesen ja nur auf Instagram-Accounts und nicht etwa auf Online-Shops, wo tatsächlich Produkte erworben werden könnten. Darüber hinaus könne man nicht von einer kommerziellen Handlung sprechen, wenn für die Verlinkung keine finanzielle Gegenleistung erfolgt sei.

OLG: Account dient der Vermarktung

Das Oberlandesgericht (Az. 6 W 68/19) entschied nun anders. Der gesamte Instagram-Account von Sonnyloops stelle eine geschäftliche Handlung dar, so die Richter. Die Fotos sollten den Absatz von Produkten steigern und das Image der Hersteller fördern. Auch eine Gegenleistung habe die Influencerin offensichtlich erhalten. Sie habe sich ja ausdrücklich bei zwei Unternehmen für Reiseeinladungen bedankt. Ob Sonnyloops für jeden einzelnen Link bezahlt werde, spielt laut OLG keine Rolle. Entscheidend sei, dass sie als Werbefigur ihre Follower zum Anklicken der Webseiten motiviere.

Fazit

Sonnyloops muss ihre Instagram-Posts künftig als Werbung kennzeichnen, wenn darin Links zu Hersteller-Accounts enthalten sind. Über ihren Anwalt hat sie allerdings bereits Widerspruch angekündigt. Möglicherweise sei eine höchstrichterliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs notwendig.

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