Instagram-Urteil: Müssen jetzt alle Links und Tags zu Unternehmen als Werbung gekennzeichnet sein?

(6 Bewertungen, 4.33 von 5)

Der Aufschrei war groß, als bekannt wurde, dass Influenzerin Vreni Frost Schleichwerbung auf Instagram untersagt wurde. Laut Urteil des LG Berlin muss sie sämtliche Links zu Unternehmen als Werbung kennzeichnen. Auch dann, wenn sie für die Links/ Tags keine Bezahlung erhalten hat.  Haben die Richter keine Ahnung vom Internet? Im Gegenteil, die Begründung des Urteils klingt sehr nachvollziehbar.

Vreni Frost: Links ohne Gegenleistung sind private Handlung

Die Bloggerin präsentiert auf ihrem Instagram-Account Mode, Möbel, Dekoration und natürlich sich selbst. Beim Antippen eines Fotos werden die Hersteller sämtlicher abgebildeter Produkte eingeblendet. Ein weiterer Klick auf diese Namen führt zu den Instagram-Accounts der Anbieter. So verfährt Vreni bei allen Posts, auch wenn sie dafür nicht mit Geld, Waren oder Vergünstigungen bezahlt wird.

Ihre Begründung klingt plausibel: Durch die Links spare sie sich den Aufwand, die vielen Fragen ihrer Fans nach den Bezugsquellen zu beantworten. Eine geschäftliche Handlung liegt also auf den ersten Blick nicht vor.

Gericht: Unbezahlte Posts bahnen Geschäftsbeziehungen an

Doch das Landgericht Berlin (52 O 101/18) argumentiert: Influencer verkaufen nicht nur direkt Produkte, sondern immer auch sich selbst. Vrenis Art der Präsentation sei dazu geeignet, Unternehmen auf eine potenzielle Werbeträgerin aufmerksam zu machen. Die Fotos mitsamt den Links und der damit verbundenen Absatzsteigerung könnten also die Grundlage für künftige Geschäftsbeziehungen bilden.

Für diese Sichtweise spricht auch eine Äußerung der Berlinerin selbst: Sie trage private Bereiche grundsätzlich nicht ins Internet und nutze ihren Account ausschließlich für berufliche Zwecke.

Anzeige

Und die Hilfestellung für begeisterte Follower?

Vrenis Begründung für das Taggen von Markenherstellern hält das Gericht für wenig glaubwürdig: Schließlich nenne sie in der Regel nicht die Bezugsquelle des im Foto gezeigten Produkts. Stattdessen würden interessierte Fans auf den Instagram-Account des Herstellers geleitet, der an dieser Stelle gleich sein ganzes Sortiment präsentieren könne. Insgesamt sei also von einem kommerziellen Hintergrund ihrer Posts auszugehen. Folglich müssen diese Posts auch als Werbung gekennzeichnet werden.

Fazit:

Das Urteil ist noch nciht rechtskräftig. Bis zu der angekündigten Berufung folgt Vreni Frost dem Urteil des Gerichts aber: Sie nennt ihre Instagram-Beiträge „Werbung“.Um ihre Position deutlich zu machen, fügt sie aber in vielen Fällen den Hashtag „#unbezahlt“ hinzu.

Ein Vorgehen, das für private Accounts überflüssig ist. Das Gericht bezog sich ausdrücklich darauf, dass die Bloggerin mit mehr als 50.000 Followern ihre Einkünfte aus der Präsentation von Waren beziehe.

Anzeige
Kommentare  
xar61
+8 # xar61 04.07.2018, 09:59 Uhr
Wenn ich jetzt, von meiner Webseite zu Ihren Artikel verlinke, weil ich ihn dufte und informativ finde - Muss ich den jetzt auch als Werbung deklarieren ?
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Öztürk Aham
0 # Öztürk Aham 04.07.2018, 11:23 Uhr
Ja.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
S H
0 # S H 04.07.2018, 15:30 Uhr
wenn Du mehr als 50.000 Follower hast ...
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Amin Negm-Awad
+2 # Amin Negm-Awad 05.07.2018, 08:27 Uhr
Wenn das dein Geschäftsmodell ist, ja. Sonst nein.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
XOR32
+1 # XOR32 06.07.2018, 08:51 Uhr
Lesen Sie den Artikel, dann wissen Sie es!
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Horst
+3 # Horst 05.07.2018, 08:51 Uhr
Ist ja alles schön und gut, aber warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Wenn ich mir eine Reisezeitschrift ansehe, dann wimmelt es dort nur so von "Tipps" zu Übernachtungen in bestimmten Hotels und zu Veranstaltungen. Und da muss nicht "Werbung" über dem Artikel stehen.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
RoSi
-1 # RoSi 08.07.2018, 12:18 Uhr
Es steht Ihnen frei, sich an die Verbraucherzentrale zu wenden! Nicht jammern! Handeln!
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Hass und Gewalt im Netz: Twitter verschärft Regeln Soziale Netzwerke stehen immer wieder in der Kritik, nicht entschieden genug gegen Gewalt, Hass und Rassismus vorzugehen. Das will Twitter jetzt ändern. Strenge...
Weiterlesen...
Partnersuche im Netz: Schlechte Noten für Dating-Portale Intransparente Preise, abrupte Wechsel vom Probeabo in den Bezahlmodus und hohe Kosten beim Vertragswiderruf – die Verbraucherzentrale Bayern hält Online-Dating...
Weiterlesen...
WhatsApp: Wie viel Schmerzensgeld können Betroffene für die Verbreitung von Nacktfotos verlangen? Intime Bilder dürfen ohne die Erlaubnis der auf den Fotos gezeigten Person nicht verbreitet werden. Das Landgericht Frankfurt am Main musste sich fragen, wie ...
Weiterlesen...
Website, Blogs und Shops: Ist das Einbinden fremder Videos und Bilder per „Embedded Content“ erlaubt? Das Einbinden von urheberrechtlich geschützten Videos oder Bildern in eine andere Webseite ist aus technischer Sicht mittlerweile kein Problem mehr. Die rechtli...
Weiterlesen...
Gesetzentwurf gegen Hasskommentare: Das Ende der Meinungsfreiheit? Gerade einmal 1 % aller gemeldeten Inhalte werden bei Twitter gelöscht; bei Facebook sind es 39 %. Trotzdem kann man beim Lesen von Kommentaren in sozialen Medi...
Anzeige DSGVO
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingRechtsschutzversicherungRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support