Worum geht's?
Als Urheber die eigenen Fotos direkt beim Knipsen mit manipulationssicheren Metadaten zur Urheberschaft, dem Erstellungsdatum und Bearbeitungsschritten versehen – das ist das Ziel von Content Credentials, auch „digitales Echtheitssiegel“ genannt. Die Content Authenticity Initiative, kurz als CAI bekannt, basiert auf dem offenen Standard C2PA (Coalition for Content Provenance and Authenticity). C2PA wurde 2021 gegründet und hat heute einige hundert Mitglieder, darunter Adobe, Microsoft, Nikon, Sony, BBC und die New York Times. Weitere Informationen dazu lesen Sie in unserem Artikel.
1. Was sind Content Credentials und wozu dienen sie?
2019 gründete das US-amerikanische Softwareunternehmen Adobe gemeinsam mit der New York Times und Twitter die Content Authenticity Initiative (kurz CAI). Heute hat die CAI über 6.000 Mitglieder (Stand Januar 2026), die sich aus Medien, Technologie und der Zivilgesellschaft zusammensetzen. Dazu gehören neben Adobe auch Microsoft, BBC, Canon, Nikon, Sony, Associated Press, Washington Post, Getty Images, TikTok und die deutsche Presseagentur (DPA).
Die CAI nutzt den technischen Standard C2PA (Coalition for Content Provenance and Authenticity). Dabei handelt es sich um einen offenen technischen Standard, der festlegt, wie digitale Inhalte – zum Beispiel Fotos, Videos, Audio oder PDFs – mit überprüfbaren Herkunftsinformationen versehen werden können.
Technisch funktioniert das über sogenannte Content Credentials. Diese werden an eine Datei angehängt und digital signiert. Dadurch kann man später prüfen, ob die Angaben zur Entstehung und Bearbeitung vertrauenswürdig sind. Die C2PA-Spezifikation beschreibt genau, wie diese Informationen gespeichert, angehängt und überprüft werden.
2. Was speichern Content Credentials?
Content Credentials speichern folgende Daten:
- Urheber: Wer hat das Bild erstellt?
- Erstellungsdatum: Wann wurde es aufgenommen?
- Gerät/Software: Was wurde verwendet? Kamera, Photoshop oder Firefly?
- Bearbeitungsschritte: Welche Änderungen wurden gemacht?
- KI-Einsatz: Wurde KI bei der Erstellung verwendet?
WUSSTEN SIE’S SCHON?
Seit April 2025 ist die kostenlose Web-App Adobe Content Authenticity als öffentliche Beta verfügbar. Mit ihr können Kreative Content Credentials zu ihren digitalen Inhalten hinzufügen, anpassen und überprüfen. Adobe integriert Content Credentials außerdem schrittweise in Anwendungen wie Photoshop, Lightroom und Camera Raw, sodass Herkunfts- und Bearbeitungsinformationen direkt beim Export mitgegeben werden können.
Eine Chrome-Erweiterung lässt es zudem zu, Content Credentials auch auf Websites sichtbar zu machen. Inhalte, die mit Adobe Firefly erstellt werden, versieht Adobe automatisch mit Content Credentials, um KI-generierte Inhalte transparenter zu kennzeichnen.
3. So funktioniert der digitale Herkunftsnachweis
Content Credentials sollen die Herkunft und Integrität digitaler Bilder, Audio- und Videoinhalte nachvollziehbar machen. Mithilfe kryptografisch signierter Daten lässt sich dokumentieren, wie ein Inhalt entstanden ist und ob er später verändert wurde.
Stellen Sie sich das so vor:
Nach der Aufnahme kann ein Bild oder Video direkt mit zusätzlichen Informationen versehen werden – ähnlich wie mit einem digitalen Herkunftsnachweis. Diese Informationen können zum Beispiel zeigen, wann und womit die Aufnahme erstellt wurde. Je nach Gerät, App oder Programm kann außerdem dokumentiert werden, ob die Datei später bearbeitet wurde, etwa durch Zuschneiden, Farbkorrekturen, Retusche oder den Einsatz von KI.
ÜBRIGENS
Leica brachte 2023 mit der M11-P die weltweit erste Kamera mit integrierten Content Credentials auf den Markt. Weitere Kamerahersteller wie Nikon, Canon und Fujifilm arbeiten ebenfalls an Lösungen rund um den C2PA-Standard beziehungsweise unterstützen entsprechende Initiativen.
Wird die Datei anschließend in einem Programm wie Photoshop oder Lightroom bearbeitet, lassen sich weitere Angaben ergänzen. So entsteht Schritt für Schritt eine Art Bearbeitungsverlauf. Wer die Datei später ansieht, kann dadurch besser nachvollziehen, was mit ihr passiert ist.
Die Content Credentials werden digital abgesichert. Dadurch lässt sich überprüfen, ob die Herkunftsangaben unverändert geblieben sind. Wenn jemand die Datei stark verändert oder die Informationen entfernt, kann das ebenfalls sichtbar werden – oder die Credentials fehlen dann ganz.
ACHTUNG
C2PA bestätigt nicht automatisch, dass ein Inhalt wahr oder echt ist. Der Standard zeigt vor allem, woher ein Bild, Video oder eine Audiodatei stammt und welche Bearbeitungsschritte dokumentiert wurden.
Das bedeutet, das ein Bild gültige C2PA-Informationen enthalten und trotzdem in einem falschen Zusammenhang gezeigt oder irreführend verwendet werden kann. C2PA liefert also keine Wahrheitsgarantie, sondern hilft dabei, die Herkunft und Bearbeitung eines Inhalts besser nachzuvollziehen.
4. Was bedeuten Content Credentials für Deepfakes?
Vor allem im Zusammenhang mit Deepfakes sind Content Credentials und der C2PA-Standard wichtig. Warum? Wir sehen sie jeden Tag: KI-generierte Bilder und Videos werden immer realistischer und lassen sich kaum noch von „echten“ Fotografien unterscheiden. Ein Deepfake kann heute täuschend echt aussehen, obwohl die gezeigte Szene nie stattgefunden hat.
In unserem Artikel "Deepfakes kennzeichnen: Was ist ein Deepfake und bin ich betroffen?" erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema Deepfakes und Kennzeichnung.
C2PA hat sich in diesem Kontext das Ziel gesetzt, solche Inhalte transparenter zu machen, indem es Herkunfts- und Bearbeitungsinformationen bereitstellt.
Doch ein bekanntes Beispiel hat letztlich auch die Grenzen des Standards in seiner aktuellen Version gezeigt. Im September 2025 sorgte ein absurdes Bild eines Mopses im Cockpit für Aufmerksamkeit. Das Bild war KI-generiert, trug aber trotzdem ein C2PA-Siegel einer Nikon Z6 III. Die Kamera hatte den Hauptinhalt also nicht wirklich aufgenommen. Durch eine Schwachstelle im Workflow gelang es, das KI-Bild dennoch mit den Herkunftsinformationen zu verknüpfen.
Nikon reagierte darauf und setzte den Authenticity Service Anfang September 2025 vorübergehend aus. Später wurden die bis dahin ausgestellten Zertifikate für ungültig erklärt.
Das Beispiel zeigt, dass C2PA kein automatischer Wahrheitsbeweis ist. Der Standard kann helfen, die Herkunft und Integrität einer Datei zu überprüfen. Er garantiert aber nicht, dass der Bildinhalt tatsächlich die Realität zeigt. Ein signiertes Bild kann also trotzdem irreführend sein, etwa wenn es KI-generiert, inszeniert oder aus dem Zusammenhang gerissen wurde.
PRAXIS-TIPP
Für den Umgang mit Deepfakes bedeutet das, dass Content Credentials ein wichtiges Werkzeug sind, aber dennoch keine kritische Prüfung ersetzen. Sie liefern Hinweise zur Entstehung eines Inhalts, aber keine endgültige Garantie für dessen Wahrheitsgehalt.
5. Wer sollte Content Credentials nutzen?
Content Credentials sind vor allem für Menschen und Unternehmen sinnvoll, die digitale Inhalte erstellen und veröffentlichen. Dazu gehören die nachfolgenden Berufsgruppen.
- Fotograf und Videograf
- Journalist und Medienhäuser
- Kreative und Designer
- Unternehmen und Marken
Für Fotograf, Journalist, Kreative, Unternehmen und andere Inhaltsersteller schaffen Content Credentials vor allem mehr Schutz und Transparenz. Sie können dabei helfen, aufzuzeigen, dass ein Inhalt aus einer vertrauenswürdigen Quelle stammt und nicht unbemerkt verändert wurde. Darüber hinaus können Ersteller offenlegen, ob ein Bild vollständig KI-generiert wurde oder ob KI nur bei einzelnen Bearbeitungsschritten zum Einsaz kam. Das schafft Vertrauen gegenüber Kunden, Redaktionen, Plattformen und Publikum.
Für Konsumenten solcher Bilder schaffen Content Credentials einen Wegweiser im Umgang mit digitalen Inhalten. Wer ein Bild, Video oder eine Audiodatei sieht, hat so die Möglichkeit, bei Bedarf zusätzliche Informationen zur Herkunft und Bearbeitung abzurufen.
Damit lässt sich besser einschätzen, ob ein Inhalt wirklich authentisch ist, ob er verändert wurde oder ob eine KI beteiligt war. Besonders bei Nachrichtenbildern, viralen Videos oder emotionalen Bildern können Sie so vorsichtiger und informierter reagieren.
Content Credentials ersetzen zwar keine kritische Prüfung. Sie können aber wichtige Hinweise liefern, um Manipulationen, aus dem Zusammenhang gerissene Inhalte oder mögliche Deepfakes besser zu erkennen.
6. Authentizität statt Erkennung gefälschter Inhalte
Gerade bei Bildern besteht ein großer Bedarf, die Authentizität zu überprüfen. Nur so lassen sich auch bei der Verbreitung von digitalen Informationen Inhalte bewerten und verstehen.
Content Credentials sollen dabei neben dem Ziel Transparenz zu schaffen, auch dem Missbrauch von Inhalten und möglichen Urheberrechtsverletzungen entgegenwirken. Sie können helfen, Kreative als Urheber anzuzeigen und ihre Arbeit besser zu schützen, indem sie Herkunft, Bearbeitungsschritte und Angaben zur KI-Nutzung dokumentieren, soweit diese Informationen erfasst und hinterlegt werden.
Das ist besonders wichtig, wenn sich Bilder oder Videos über soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder TikTok schnell verbreiten. Gehen Inhalte viral, verlieren sie nicht selten ihren ursprünglichen Kontext. Ein digitaler Herkunftsnachweis hilft an dieser Stelle, Quelle, Bearbeitung und Nutzung besser nachzuvollziehen.
INTERESSANT
Die Initiative setzt vor allem auf nachvollziehbare Herkunftsinformationen statt auf eine bloße Erkennung manipulierter Inhalte. Denn der C2PA-Ansatz beginnt bereits bei der Entstehung und Bearbeitung eines Inhalts.
Sie können zur Überprüfung von Content Credentials einen Content Credentials Verify nutzen. Das C2PA-basierte Tool zeigt, ob eine Datei Herkunfts- und Bearbeitungsinformationen enthält. Sind solche Informationen vorhanden, lassen sich dort Details zur Entstehung, Bearbeitung und möglichen KI-Nutzung nachvollziehen.
7. Fazit
Für Adobe steht auch die Bekämpfung von Fehl- und Falschinformationen im Vordergrund. Diese werden nicht nur für Urheber, sondern auch für Nutzer zu einem immer größeren Problem.
Mit Content Credentials soll eine Grundlage geschaffen werden, um digitalen Inhalten mehr Transparenz zu geben. Gemeinsam mit Technologie- und Medienunternehmen hat Adobe einen Standard entwickelt, der Herkunfts- und Bearbeitungsinformationen aufzeigt und digital absichert.
Die Entwicklung ist dabei noch nicht abgeschlossen. Seit April 2025 ist die Web-App Adobe Content Authenticity als öffentliche Beta verfügbar. Content Credentials werden schrittweise in Adobe-Anwendungen wie Photoshop, Lightroom und Camera Raw integriert. Auch Browser-Erweiterungen, Unternehmenslösungen und neue Kameramodelle mit C2PA-Unterstützung erweitern das System kontinuierlich.
Der Ansatz bleibt bewusst offen und dynamisch. Die CAI stellt Open-Source-Werkzeuge bereit, damit weitere Unternehmen, Plattformen und Entwickler Content Credentials in eigene Anwendungen einbinden können. So soll Schritt für Schritt ein größeres Ökosystem entstehen. Wir halten Sie über die Fortschritte auf dem Laufenden.
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8. FAQ: Häufige Fragen zu Content Credentials
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