Datenschutz: Aufrüttelnder Erfahrungsbericht einer Tinder-Nutzerin

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Wer in diesen Tagen bei einer Dating-App mit potentiellen Partnerinnen oder Partnern chattet, tut das vielleicht nicht ganz so sorglos, wie bisher. Denn eine französische Userin hat gerade von ihrem Recht auf Herausgabe ihrer gespeicherten Daten Gebrauch gemacht. Ihre Bilanz: 800 Seiten Informationen, Chatverläufe und ein Einblick in ihre „dunkelsten Geheimnisse“.

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„Die kennen mich besser, als ich selbst“

Fast eintausend Mal hat die französische Journalistin und Tinder-Nutzerin Judith Duportail die Kennenlern-App in den vergangenen vier Jahren geöffnet. Knapp 900 Menschen wurden ihr als passende Partner präsentiert. Insgesamt schickte sie 1700 Nachrichten. Jede ist Wort für Wort abgespeichert auf den Servern des US-amerikanischen Betreibers, zusammen mit Ort, Zeitpunkt und Dauer der Chats. Und das ist nicht alles. Sämtlichen Fotos, die sie jemals auf Facebook und ihrem längst gelöschten Instagram-Account hochgeladen hat, begegnete sie wieder. Außerdem Angaben zu persönlichen Interessen, Musikgeschmack, Lieblingsgerichten, Ausbildung, Arbeitsplätzen und Wohnorten.

Informationen, die so oder so ähnlich auch zwei Millionen weitere Tinder-Nutzer in Deutschland der App anvertraut haben. Ausgedruckt ergeben sie ein dickes Buch, von dem Judith Duportail hofft, dass es nie jemand zu lesen bekommt.

Daten nur Grundlage für die Partnerwahl?

Tinder nutzt die Angaben angeblich in erster Linie, um seinen Teilnehmern die passende Auswahl an Partnern zu präsentieren. Altersstufe, Haarfarbe, Bildungsstand und Interessen dienen nur zum Vorsortieren: Darüber hinaus berücksichtigt das Programm, wie lange ein Foto angesehen wird oder welche Wörter besonders häufig in Gesprächen auftauchen. Wie genau einzelne Faktoren bei der Zuteilung von „Matches“ berücksichtigt werden, hält Tinder geheim. Dass die Daten auch an Werbetreibende weitergegeben werden können, ist dagegen Teil der AGB.

Der Selbstversuch der Tinder-Nutzerin zeigt ganz deutlich: Welche Masse an Informationen sie im Internet freiwillig preisgeben, dürfte die meisten Menschen überraschen. In der Summe lässt sich daraus ein umfassendes Profil eines Account-Besitzers erstellen.

Praxis-Tipp:

Nach § 34 des Bundesdatenschutzgesetzes haben Verbraucher einen Anspruch darauf, zu wissen, welche Informationen über sie gespeichert sind. Auf Anfrage muss ein privates Unternehmen einmal im Jahr die Daten schriftlich zur Verfügung stellen. Ein Muster für ein solches Auskunftsbegehren können Sie beispielsweise beim Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht hier herunterladen: https://www.lda.bayern.de/media/muster_auskunftsersuchen.pdf

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Kommentare  
Marcel Frank
0 # Marcel Frank 13.10.2017, 15:38 Uhr
Guten Tag,
vielen Dank für den interessanten Beitrag. Ich denke, es ist vielen schlicht nicht bewusst, was alles an Daten gesammelt wird, es ist wichtig, dass hier immer wieder der Fokus drauf gerichtet wird.

Ich selbst würde auch gerne meine Daten abfragen. Den Link zu einem Musterformular haben Sie ja schon angegeben, allerdings kann ich selbst nach einer längeren Recherche keine Anschrift von tinder finden.
Es gibt die Zentrale in Dallas, da Sie jedoch ein deutsches Formular verlinkt haben, gehe ich davon aus, dass Sie für Ihren Versuch einen deutschen Adressaten hatten.

Können Sie mir diesen nennen?
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Johny
0 # Johny 19.02.2018, 12:58 Uhr
Was für ein lächerlicher und reisserischer Artikel. Das ist völlig normal und überhaupt nicht überraschend, dass solche Daten gespeichert werden, sonst würden die ganzen Plattformen keinen Sinn mehr machen. Anders verhält es sich mich Daten, deren Löschung man beantragt hat, und die immer noch da sind, oder was davon an Dritte weitergegeben wird.
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