Warum Sie AGB auch lesen sollen: Nutzer sollen für freies WLAN ihr erstgeborenes Kind abgeben

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Im Rahmen eines Experiments hat das Sicherheitsunternehmen F-Secure in London einen frei zugänglichen WLAN-Hotspot installiert. Neben der Demonstration, wie achtlos Nutzer sich in unsicheren WLAN-Netzen bewegen, haben einige sogar den AGBs zugestimmt und damit ihr erstgeborenes Kind gegen kostenloses Internet eingetauscht.

Experiment mit kostenlosem WLAN-Zugang

Die Sicherheitsfirma F-Secure hat zusammen mit Finn Steglich vom deutschen IT-Security-Dienstleister SySS GmbH und Peter Warren vom Cyber Security Research Institute in Großbritannien ein Experiment mit einem frei zugänglichen WLAN-Hotspot durchgeführt. Bei dem Experiment sollte geprüft werden, wie viele Passanten sich bei dem WLAN-Netz anmelden und welche Daten sie dabei bedenkenlos übermitteln.

Dafür installierten sie in bekannten Geschäfts- und Regierungsvierteln Londons technisch manipulierte WLAN-Hotspots, die jedem freien Zugang zum Internet ermöglichten. Während der Testzeit von gerade einmal 30 Minuten haben sich rund 250 Geräte mit diesen Hotspots verbunden. Die meisten Verbindungen wurden vermutlich automatisch von den Geräten durchgeführt und übertrugen nur wenige Daten. 33 Personen hingegen nutzen den freien Zugang zum Internet aktiv und übertrugen unverschlüsselt Daten wie Beispielsweise E-Mails, die durch den manipulierten Hotspot abgefangen und problemlos ausgelesen werden konnten.

AGBs ungelesen akzeptiert und erstgeborenes Kind gegen kostenloses Internet eingetauscht

In einem weiteren Schritt wurde eine Seite dazu geschaltet, welche die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zur Nutzung des freien WLAN-Netzes beinhaltete. Ohne diese AGBs sorgfältig durchzulesen, akzeptierten 6 Nutzer diese, um ebenfalls Zugang zum kostenlosen Internet zu erlangen. In den meisten Fällen sind die AGBs sehr lang und unüberschaubar, weshalb es beim Großteil der Nutzer üblich ist, diese ungelesen zu akzeptieren.

Was die Probanden aufgrund ihres vorschnellen Handelns nicht wussten: Die AGBs enthielten Klauseln, die unter anderem besagten, dass man als Austausch zur Nutzung des freien Dienstes das erstgeborene Kind oder sein liebstes Haustier an F-Secure zu übergeben hat. Abgesehen von der Fragwürdigkeit, ob diese Klauseln jemals eine rechtliche Gültigkeit gehabt hätten, hat F-Secure von diesen selbstverständlich keinen Gebrauch gemacht und auch die gesammelten Daten wurden zum Schutz der Privatsphäre der Probanden sofort gelöscht. Allerdings zeigt dieses Experiment sehr deutlich, wie schnell Nutzer unachtsam werden, sobald ihnen etwas Kostenloses angeboten wird.

Fazit:

Auch wenn die Klauseln in diesem Experiment nur eingesetzt wurden, um bei den betroffenen Testpersonen einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, ist es dennoch eine wichtige Erinnerung dafür, wie wichtig das Studieren der AGBs oder Nutzungsbedingen ist. In anderen Fällen können die AGBs versteckte Kosten oder andere Bedingungen beinhalten, mit denen man im ersten Moment nicht rechnet. Eines der bekanntesten Beispiele sind die Nutzungsbedingungen des sozialen Netzwerks Facebook. In diesen wird festgehalten, dass der Nutzer bei jedem hochgeladenen Bild Facebook automatisch eine Lizenz dafür gewährt, das jeweilige Bild zu nutzen und anzuzeigen.

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Kommentare  
Alan
-1 # Alan 07.06.2016, 01:19 Uhr
It's hard to find well-informed people on this topic, however, you seem like you know what you're talking about!
Thanks

Here is my blog post; company combines: http://storeandhost.com/
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Michael Oldenburg
0 # Michael Oldenburg 03.03.2018, 10:13 Uhr
Seitenlange AGB sind ein Dilemma.
Es grenzt an Nötigung und ist völlig unzumutbar, Nutzer zu zwingen, romanlangen AGB zuzustimmen, für die man nur für einfaches durchlesen eine gefühlte Ewigkeit benötigt, geschweige denn in der Lage ist alles Inhalte als juristischer Laie überhaupt verstehen zu können.
Dieser Zwang sich in alle Richtungen abzusichern ist vollkommen wirklichkeitsfremd und wird genau deshalb von Nutzern ignoriert.

Missbrauch verhindern und bewußtes Lesen und damit Einverständnis erhält man nur, wenn AGB als zentrales Regularium zur allgemeinen Kenntnis gebracht wird. Nicht durch einzelne Anbieter sondern durch den Gesetzgeber.

Unternehmen müssten in diesem Fall nur noch diejenigen Punkte zur Zustimmung bringen, die von den AGB zulässig abweichen.

Diese 'speziellen Geschäftsbedingungen'
wären kurz und die Bereitschaft diese zu lesen hoch.
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