Elektroschrott-Rücknahme: Abmahnung für 16 Online-Händler

(2 Bewertungen, 5.00 von 5)

Zahlreiche große Internet-Anbieter kommen ihren Pflichten bei der Entsorgung von Altgeräten nicht nach. Eine Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe DUH kommt zu dem Schluss, dass die gesetzlichen Regelungen systematisch unterlaufen werden: durch fehlende Information, mangelhafte Rücksendeangebote oder hohe Hürden für Verbraucher. Die DUH reagiert nun mit Abmahnungen.

Wohin mit 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott pro Jahr?

Laut Gesetz müssen Online-Händler in Deutschland nur dann ausgemusterte Elektronik zurücknehmen, wenn sie technische Geräte auf einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern lagern und versenden. Dazu gehören beispielsweise Allround-Anbieter wie Amazon, Tchibo oder Lidl und Fachmärkte wie Saturn oder Media-Markt. Sie alle sind verpflichtet, Kleingeräte mit einer Größe bis zu 25 Zentimetern jederzeit zurücknehmen - auch wenn die Artikel nicht bei ihnen gekauft wurden. Gebrauchte Großgeräte müssen nur beim Kauf eines ähnlichen Neugeräts angenommen und entsorgt werden. Weiter gilt: Verbraucher sind klar und deutlich darüber zu informieren, wo und auf welche Weise sie ihren Elektroschrott abgeben können. Bei Verstößen drohen den Händlern Bußgelder von bis zu 100.000 Euro.

DUH: Onlinehandel spekuliert auf Abschreckung

In Praxistests fand die Deutsche Umwelthilfe heraus, dass die Rückgabe von den meisten Internetanbietern übermäßig kompliziert gestaltet wird. Das fängt damit an, dass die Informationen auf den Webseiten schwer auffindbar oder ganz tief im Kleingedruckten versteckt sind. Die Anbieter Bauhaus, Dell und Medion nehmen nur unbeschädigte und vollständige elektronische Produkte zurück und verstoßen damit klar gegen die Richtlinien. Bei Bauhaus, Cyberport und Ikea müssen Verbraucher vor der Rückgabe mühsam mit dem Kundendienst Kontakt aufnehmen. Andere Unternehmen verlangen das Ausfüllen mehrseitiger Formulare mit Angabe zahlreicher persönlicher Daten. Saturn, Conrad, Redcoon und andere stellen ihren Kunden zwar DHL-Etiketten zur Rücksendung von alten Geräten und Energiesparlampen zur Verfügung. Allerdings schließt DHL den Versand von Energiesparlampen ausdrücklich aus, weil beim Zerbrechen gefährliches Quecksilber austreten kann.

Eine halbe Stunde Autofahrt zum Entsorgen eines Altgeräts

Auch die Abgabe über ein stationäres Netz von Rückgabestellen vor Ort funktioniert im Test nur unzureichend. Teilweise wird eine vorherige Kontaktaufnahme per Telefon oder E-Mail verlangt. Manche Verbraucher müssten außerdem 50 Kilometer oder mehr zum Entsorgungsort zurücklegen. Für die Experten ist klar, dass angesichts solcher Hürden ein Großteil des Elektroschrotts da landet, wo er nicht hingehört: im Hausmüll. Insgesamt 16 der 30 untersuchten Onlinehändler verstießen bei der Untersuchung klar gegen die gesetzlichen Vorgaben. Sie werden nun mit Abmahnungen und gegebenenfalls mit gerichtlichen Schritten zur Einhaltung verpflichtet.

Fazit:

Die Deutsche Umwelthilfe spricht in ihrer Untersuchung von einem systematischen Boykott der Rücknahmepflicht: Unnötige Erschwernisse sorgen dafür, dass Kunden auf eine ordnungsgemäße Entsorgung beim Online-Händler verzichten. Nachdem die zuständigen Landesbehörden offenbar nicht eingreifen, wollen die Umweltschützer nun die Rechte der Verbraucher einfordern.

Anzeige
Kommentare  
Dieter Wehe
+3 # Dieter Wehe 29.05.2018, 15:17 Uhr
Im Zweifelsfall würde ich den Elektroschrott unfrei an die DUH schicken!
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Kati
0 # Kati 12.06.2018, 13:28 Uhr
Schon traurig, dass sich die Deutsche Umwelthilfe einmischen muss, weil Unternehmen nur am Profit interessiert sind und möglichst ohne Pflichten - und wie unverständlich, dass dann noch dumme Kommentare kommen...
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Johann Peters
-2 # Johann Peters 30.05.2018, 08:48 Uhr
Sehr geehrter Herr Wehe,

ihre Ausage ist sehr unintelligent.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Jörg
+1 # Jörg 12.06.2018, 15:14 Uhr
@ Kati & Johann Peters:
Ihr wisst aber schon, dass die DUH nichts weiter als ein Abmahnverein ist, der unter dem Deckmäntelchen des Umweltschutzes Reibach macht, indem er Massenabmahnungen gegen Online-Händler ausspricht?

Und ihr kennt sicher auch die Erhebungen seit Einführung der Elektroschrott-Rücknahmeverpflichtung des Online-Handels in Bezug auf die Auswirkungen auf die Umwelt?
Nun soll also Schrott (mitunter gefährlich, siehe Energiesparlampen oder Akkus - wenn da die Sendungen nicht transportsicher gedämmt sind...) von Versanddienstleistern durch die halbe Republik gekarrt werden, wenn es dem Verbraucher doch möglich ist, dass ohne Mehrbelsatung für die Umwelt über den örtlichen Wertstoffhof entsorgen zu können?

Vor dem Hintergrund kann ich den Saraksmus von Dieter Wehe durchaus nachvollziehen.

Natürlich ist es nicht okay, gegen geltendes Gesetz zu verstoßen; aber betrachtet das ganze Thema nicht zu einseitig.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Dieter
0 # Dieter 12.06.2018, 17:22 Uhr
Hallo zusammen
Ich finde die Meinung von den Peters sehr richtig.
Fast jeder fährt am Samstag oder an anderen Tagen zum Wertstoffhof, dort kann man seine Altgeräte meist kostenlos ohne Probleme abgeben. Man muss nicht die Online oder Offlinehändler damit nerven und unnötige Kosten in Bewegung setzen.
Oder man verkauft einfach seine noch funktionierenden Geräte auf dem Onlinemarktplatz. So kommt noch ein bisschen Geld in die Haushaltskasse.

Im großen und ganzen machen sich die meisten da viel zuviel Stress.
Schönen tag noch
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Stadtplanabmahnungen: Wann muss eine Vertragsstrafe gezahlt werden? Nach einer durch Abmahnung geben die Rechteverletzer häufig eine strafbewehrte Unterlassungserklärung ab. In dieser verpflichten sie sich, es zu unterlassen, ei...
Weiterlesen...
Abmahnung oder nicht: Dürfen Gastwirte Sky Progamme in ihrer Gaststätte ausstrahlen? Das Anschauen von Fußballspielen in Lokalen ist für viele Fußballfans ein festgesetztes Ritual. Das Mitfiebern in größerer Runde lässt dabei ein kleines Stadi...
Weiterlesen...
Zweite Abmahnung: Kosten sind nicht erstattungsfähig Abmahnungen müssen nicht von einem Anwalt ausgesprochen werden. Verbraucher können dies selbst vornehmen, solange die Formalien stimmen. Die Kosten dafür können...
Weiterlesen...
Schwarzmarkt Bundesliga: Abmahnungen wegen illegalem Verkauf von Online-Tickets Nicht nur die Torschützen Roy Maakay und Lucio konnten sich diese Woche über den Sieg des FC Bayern gegen Real Madrid freuen. Auch für viele Händler die über On...
Weiterlesen...
E-Commerce: Abmahnung von Online-Händlern wegen fehlender Energieeffizienzklasse von Leuchtmitteln Ist ein Händler verpflichtet, die Energieeffizienzklasse der von ihm online vertriebenen Lampen und Glühbirnen anzugeben? Das Landgericht Hamburg beschäftigte s...
Anzeige Datenschutz-Kit
Anzeige
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details