AGB für Agenturen und Webdesigner

AGB Muster, AGB Generator & Co.: Der beste Weg zum AGB erstellen

Fachlich geprüft von: Rechtsanwältin Annika Haucke Rechtsanwältin Annika Haucke
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Das Wichtigste in Kürze

  • Agenturen und Webdesigner benötigen AGB, wenn Sie Haftungsrisiken und finanzielle Ausfälle verhindern wollen.
  • Fremde AGB zu kopieren ist nicht ratsam, AGB müssen immer auf Ihr konkretes Geschäftsmodell angepasst sein.
  • Am sichersten sind Sie, wenn Sie die AGB von einem auf Internetrecht spezialisierten Anwalt erstellen lassen.

Worum geht's?

Immer wieder fragen uns Agenturen, Webworker, Webdesigner oder Websiteinhaber aus dem Online-Handel, ob Sie eigentlich Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) benötigen. Und wenn ja, ob es dafür einen AGB Generator oder eine AGB Vorlage oder AGB Muster gibt oder ob man AGB nicht einfach im Netz kopieren kann. Egal ob Agenturen oder Webdesigner: Nur mit passenden AGB können Sie Ihre Haftung minimieren und Zahlungsausfälle sowie rechtliche Auseinandersetzungen mit ihren Kunden vermeiden. Wir geben Ihnen Antworten auf häufige Fragen, die Sie sich als Unternehmer im Netz zum Thema „AGB Erstellen“ stellen, woher Sie rechtssichere AGB bekommen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

1. Was sind Allgemeine Geschäftsbedingungen und wie bekomme ich sie?

Definition: Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) sind vorformulierte Vertragsbedingungen, die für eine Vielzahl von Verträgen gelten und die Sie als Vertragspartei Ihren Kunden als andere Vertragspartei bei Abschluss des Vertrages stellen.

Wenn Sie Allgemeine Geschäftsbedingungen erstellen lassen möchten, stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Es gibt den AGB Generator, das AGB Muster oder sogar AGB Update Service: Aber was ist der beste Weg für die AGB Erstellung? Gibt es einen "Königsweg", um AGB zu erstellen?

2. Gibt es eine "AGB-Pflicht" für Programmierer, Webdesigner und Agenturen?

1. Es  gibt streng genommen keine gesetzliche Pflicht, allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) auf einer Internetseite zu verwenden. Wenn Sie etwa als Webagentur keine AGB haben, dann gelten die gesetzlichen Regelungen des BGB. Durch AGB können Sie als Unternehmer diese gesetzlichen Regelungen aber in vielen Punkten zu Ihren Gunsten modifizieren. Gerade als Agentur oder Webdesigner sollten Sie diese Möglichkeit aber auch nutzen. Das BGB kennt nämlich keine Agenturverträge oder Webdesignverträge

2. Was viele Agenturen und Webdesigner nicht wissen: Die Gerichte haben in den letzten Jahren immer mehr Pflichten für das Erstellen von Webprojekten aufgestellt. Webdesignverträge und Verträge zur Webseitenerstellung sind so genannte Werkverträge. Alle Webdesigner und Agenturen haften deshalb für ein rechtlich mangelfreies Werk. Das betrifft das Impressum, die Datenschutzerklärung, Bildrechte und Lizenzen und viele andere Punkte. 

3. Webdesigner, Hoster oder Webagentur sollten deshalb nie ohne konkrete Leistungsvereinbarung und passende eigene AGB arbeiten. Ich habe es oft erlebt, dass Agenturen monatelang an einem Projekt arbeiten, der Kunde dann unzufrieden ist und die Bezahlung der Arbeit von Monaten einfach verweigert. Das können Sie durch die Erstellung eigener AGB vermeiden.

Gerade Agenturen, die viele verschiedene Leistungen wie Webdesign, Web-Hosting, Social Media, CMS, SEO und Programmierung anbieten, sollten sich klar machen, dass diese verschiedenen Bereiche auch rechtlich differenziert geregelt werden müssen: zum einen was die Definitionen der zu erbringenden Leistungen angeht (Sie wollen ja schließlich nicht 2 Monate ohne Vergütung an nicht einkalkulierten Nachträgen arbeiten), zum anderen aber vor allem was die Bezahlung Ihrer Arbeit angeht.   

Webworker, Agenturen und Webdesigner sollten nie ohne passende AGB auftreten. Nur die richtigen vertraglichen Regelungen sorgen dafür, dass Sie bei Streitigkeiten mit Kunden auch zu Ihrem Geld kommen. Die Kanzlei Siebert Lexow bietet dafür ein speziell abgestimmtes Paket für Agenturen und Webdesigner an.

Sören Siebert
Sören SiebertRechtsanwalt

3. Wie werden AGB überhaupt wirksam?

Ein wichtiger Punkt, der leider oft vergessen wird: Damit AGB wirksam sind, ist es nicht nur notwendig, überhaupt über AGB zu verfügen, diese müssen auch den rechtlichen Vorgaben entsprechend in den Vertrag einbezogen werden. Dafür reicht es oft nicht, AGB einfach auf die eigene Internetseite zu stellen und zu verlinken. Das sind die Voraussetzungen dafür, dass der Vertrag zustande kommt und dabei die AGB gelten (also dass die AGB Vertragsbestandteil werden):

  • Sie weisen ausdrücklich auf die AGB hin (im Bestellformular oder auf dem Angebot)
  • Ihr Vertragspartner hat die Möglichkeit, diese in zumutbarer Weise zur Kenntnis zu nehmen
  • Ihr Vertragspartner stimmt der Geltung der AGB ausdrücklich zu

Sie können die AGB Ihrem Angebot beifügen. Aber auch Agenturen und Webworker können die AGB wie in einem Online Shop direkt online einbinden, etwa auf einer Bestellseite. Empfehlenswert ist es, die den Kunden dann während des Vertragsschlusses zwingend mit einem Hinweis auf die AGB zu konfrontieren. Am sinnvollsten ist ein deutlicher Hinweis

Es gelten unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen

verbunden mit einem direkten Link auf die AGB und einer Checkbox, die der Kunde abhaken muss.

Im B2B Bereich, wo individuelle Angebote verschickt werden, weisen Sie im Angebot auf die Geltung Ihrer AGB hin und senden die AGB direkt in der Mail mit oder binden einen Link auf Ihre AGB ein.

4. Welche Inhalte muss ich in den AGB regeln?

Es gibt Bestimmungen, die Sie in jedem Fall in den allgemeinen Vertragsbedingungen regeln sollten - unabhängig davon, was Sie anbieten. Das sind die folgenden Infos:

Anbieter und Geltungsbereich: Was bieten Sie Ihren Vertragspartnern an? Das können zum Beispiel Dienstleistungen, Waren, digitale Inhalte oder etwas anderes sein. Nennen Sie auch Ihren Firmennamen und Adresse, damit Ihre Kunden wissen, mit wem sie Geschäfte machen.

Vertragsabschluss: Wie und wann kommt der Vertragsschluss zustande? Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Der Vertrag kann zum Beispiel mit einer Bestellbestätigung oder mit Lieferung der Ware zustande kommen.

Preise: Wie hoch sind die Kosten? Verstehen sich die Preise inklusive oder exklusive der Mehrwertsteuer?

Zahlungskonditionen: Lastschrift, Rechnung oder paypal - welche Zahlungsarten können zum Einsatz kommen? In diesem Rahmen können Sie auch auf Ihren Kundenservice hinweisen, der bei Fragen zu den Anforderungen an die Zahlungsarten weiterhilft.

Gewährleistung und Haftungsausschluss: Wie und wie lange übernehmen Sie die Gewährleistung oder eventuelle Garantien? Schließen Sie die Haftung für leichte Fahrlässigkeit aus?

Schlichtungsverfahren und Schlussbestimmungen: Sind Sie per Gesetze verpflichtet, an einem Schlichtungsverfahren teilzunehmen? Ist ausschließlich deutsches Recht anwendbar?

5. Mythos "Muster-AGB und AGB Vorlagen"

Oft fragen Mandanten nach "Muster-AGB" für ihre Website oder ihr Unternehmen. Es gibt jedoch keine allgemeingültigen Muster oder Vorlagen, die für jedes Geschäftsmodell anwendbar sind. In den AGB einer Werbeagentur müssen natürlich ganz andere Regelungen enthalten sein, als in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen einer Partnervermittlung, eines Webdesigners oder in Onlineshop AGB. Ein Onlineshop ist im Zweifel auch nicht wie jeder andere. Und ein Provider benötigt andere Vereinbarungen und Regelungen als ein Suchmaschinenoptimierer.

In der Praxis führt das oft dazu, dass vor allem Agenturen, die verschiedene Leistungen anbieten,  beliebige „Muster“ von anderen Internetseiten kopieren und übernehmen, ohne zu prüfen, ob diese von anderen erstellten AGB Muster überhaupt für das eigene Geschäftsmodell passen. Oft werden dabei aber AGB aus einem B2C Online Shop etwa im B2B-Dienstleistungsbereich verwendet - hier gilt aber etwas anderes. Wenn die AGB aber überhaupt nicht zum Geschäftsmodell passen, haben Sie auch keinen Sinn.

Auch ein Generator oder Muster AGB können für eine Datenschutzerklärung oder bei AGB für Online Shops gute Dienste leisten. Für komplexere Agenturverträgen sind solche Tools aber oft nicht geeignet. Hier sollten Sie eigene und passende AGB durch Experten erstellen lassen.

Für Agenturen und Webdesigner führt daran, dass Sie sich durch einen spezialisierten Rechtsanwalt individuelle AGB erstellen lassen, leider kein Weg vorbei.

6. Kopieren fremder AGB

Auch das Kopieren von AGB von anderen Internetseiten durch copy & paste ist aus mehreren Gründen keine gute Idee:

  1. AGB unterliegen dem rechtlichen Schutz des jeweiligen Verfassers bzw. des Verwenders. Wenn Sie fremde AGB oder Vertragstexte einfach übernehmen, müssen Sie damit rechnen, vom Verfasser (in der Regel ein Rechtsanwalt) abgemahnt zu werden. Auch der Betreiber der Website, von dem Sie die AGB übernommen haben, kann ggf. wettbewerbsrechtliche Ansprüche, etwa über eine Abmahnung, geltend machen.
  2. AGB beziehen sich auf das konkrete Geschäftsmodell eines anderen Unternehmens. Gerade im Bereich neuer Geschäftsideen im Internet müssen die Nutzungsbedingungen aber individuell auf das Geschäftsmodell abgestimmt werden. Hier kann die Übernahme fremder, nicht passender AGB dazu führen, dass die AGB für Ihr Geschäftsmodell gar nicht oder nur bedingt passen, da die Unterschiede oftmals in kleinen Details versteckt liegen. 
  3. Es ist nicht gesagt, dass die fremden AGB rechtssicher sind. Unter Umständen wurden diese ebenfalls per copy & paste zusammengetragen. Wenn die übernommenen AGB unzulässige Klauseln enthalten, werden Sie u.U. deswegen abgemahnt. Der Verweis darauf, dass Sie die AGB doch schließlich von Seite xyz übernommen haben, hilft Ihnen nicht.

7. Praxistipps AGB für Designer & Agenturen

1. AGB sind insbesondere für Dienstleister, Agenturen oder Portalbetreiber sinnvoll. Im Falle von rechtlichen Auseinandersetzungen mit Kunden können gute AGB das eigene Haftungsrisiko minimieren und die Bezahlung Ihrer geleisteten Arbeit sichern. 

2. Verständliche und nachvollziehbare AGB sind ein gutes Aushängeschild für das eigene Unternehmen. Alle Kunden wissen es zu schätzen, wenn vertraglichen Regelungen verständlich und professionell aufbereitet sind. 

3. Bei zusammen kopierten AGB besteht die Gefahr, dass diese nicht für das eigene Geschäftsmodell passen. Zudem besteht ein hohes Abmahnrisiko. Lassen Sie besser passende AGB erstellen.

4. Bei der Erstellung professioneller B2B AGB für Agenturen & Webdesigner kommen Sie an einer anwaltlichen Beratung nicht vorbei. Zumindest eine Ersteinschätzung durch spezialisierte Rechtsanwälte sollten Sie in Anspruch nehmen, wenn Sie AGB erstellen. Auch wenn Sie AGB Mustervorlagen nutzen, müssen die AGB im Idealfall noch einmal durch spezialisierte Rechtsanwälte geprüft werden.

Die Kanzlei Siebert Lexow bietet speziell für Agenturen und Webdesigner ein indivuduell abgestimmtes Paket für Agenturen und Webdesigner zum Festpreis an.

Sören Siebert
Sören SiebertRechtsanwalt

8. AGB für Online Shops

Für Online Shops gelten, was AGB, Widerrufsbelehrung und Rechtstexte angeht, andere Regeln. Das Geschäftsmodell eines Online Shops unterscheidet sich in ALLEN Punkten vom Geschäftsmodell einer Werbeagentur oder eines Webdesigners:

  • Online Shops schließen Kaufverträge ab

    Ein Kaufvertrag benötigt inhaltlich völlig andere Regelungen in den Shop AGB als die AGB einer Webagentur.
  • Online Shops sind häufig im B2C Bereich tätig

    In AGB für Verbraucher (B2B) sind viele Regelungen nicht erlaubt, die in Agentur AGB im Bereich B2B problemlos wirksam sind.
  • Online Shops benötigen neben AGB weitere Rechtstexte

    Während Agenturen und Webdesigner neben den AGB häufig zum Beispiel einen AV-Vertrag mit Ihren Kunden abschließen müssen und Wert auf eine rechtssichere Abnahme legen sollten, müssen Shopbetreiber zum Beispiel Pflichtinformationen für Verbraucher zur Verfügung stellen. Das betrifft vor allem die Widerrufsbelehrung.

Umfassende Informationen zum Thema "Website rechtssicher gestalten" finden Sie in unserem Artikel "So erstellen Sie 2022 abmahnsichere Webseiten".

Praxis-Tipp:

Als Shopbetreiber finden Sie in unserem Beitrag „AGB für Online Shops“ ausführliche Informationen zu den Themen AGB, Widerruf und Fernabsatzrecht.

Rechtsanwalt Sören Siebert
Sören Siebert
Rechtsanwalt und Gründer von eRecht24

Rechtsanwalt Sören Siebert ist Gründer von eRecht24 und Inhaber der Kanzlei Siebert Lexow. Mit 20 Jahren Erfahrung im Internetrecht, Datenschutz und ECommerce sowie mit mehr als 10.000 veröffentlichten Beiträgen und Artikeln weist Rechtsanwalt Sören Siebert nicht nur hervorragende Fach-Expertise vor, sondern hat auch das richtige Gespür für seine Leser, Mandanten, Kunden und Partner, wenn es um rechtssichere Lösungen im Online-Marketing und B2B / B2C Dienstleistungen sowie Online-Shops geht. Neben den zahlreichen Beiträgen auf eRecht24.de hat Sören Siebert u.a. auch diverse Ebooks und Ratgeber zum Thema Internetrecht publiziert und weiß ganz genau, worauf es Unternehmern, Agenturen und Webdesignern im täglichen Business mit Kunden ankommt: Komplexe rechtliche Vorgaben leicht verständlich und mit praktischer Handlungsanleitung für rechtssichere Webseiten umsetzen.

Rechtsanwältin Annika Haucke
Annika Haucke
Rechtsanwältin

Annika Haucke ist Rechtsanwältin und Journalistin (Freie Journalistenschule). Als Fachredakteurin von eRecht24 bereitet sie Beiträge verständlich auf und gibt praxisnahe Handlungsempfehlungen. Rechtsanwältin Haucke ist auf Medienrecht spezialisiert und hat darüber hinaus mehrjährige redaktionelle Erfahrung in weiteren Rechtsgebieten, z.B. Steuer-und Medizinrecht. Seit 2013 veröffentlichte sie eine Vielzahl von Artikeln und Ratgebern, u. a. bei Stiftung Warentest, Tagesspiegel Background und Computerwoche.


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